Berlin : So funktioniert Morphium

Björn Rosen

MST, laut dem Frankfurter Institut „IMS Health“ meistverkauftes Morphin-Präparat in deutschen Apotheken.

Wenn Schmerzen sehr stark werden, nehmen Patienten Medikamente wie MST. Ihr Inhaltsstoff Morphium wirkt nicht an der Körperstelle, die einen Schmerz verursacht, sondern im Gehirn, wo der Schmerz erfasst und begriffen wird. Deshalb hilft MST gegen alle Schmerzen, egal, ob sie durch eine Bandscheibenoperation oder einen Tumor entstanden sind. Stellen Sie sich einen Fernseher vor, aus dem man das Antennenkabel gezogen hat: Die TV-Sender schicken zwar weiter Daten über das Kabel – aber sie werden nicht mehr abgebildet. So wie die Mattscheibe schwarz bleibt, können wir nach der Morphin-Einnahme den Schmerz nicht mehr empfinden.

Morphin ist ein Opiumabkömmling, wird also aus dem Saft des Schlafmohns gewonnen. Schlucken wir eine MST-Tablette, gelangt sie durch den Magen in unseren Dünndarm. Dort wird das Morphin freigesetzt, über die Schleimhaut ins Blut und damit ins Gehirn transportiert. Im Hirn koppelt es sich an Bindungsstellen an den Enden der Nervenbahnen: an Opioid-Rezeptoren; eigentlich sind diese Bindungsstellen für Endorphine gedacht, körpereigene Glücksboten. Hat sich das Morphin an die Rezeptoren gebunden, werden komplizierte biochemische Reaktionen in Gang gesetzt. Ergebnis: Kurz vor seinem Zielort, kurz vor der Verarbeitung wird das Schmerzsignal, das aus dem Körper kam, gestoppt.

Weil sich Opioid-Rezeptoren auch anderswo im Gehirn – beispielsweise im Schlafzentrum – und im ganzen Körper befinden, kann Morphin Nebenwirkungen haben. Der Körper gewöhnt sich schnell an seine Präsenz und stellt seinen Stoffwechsel um. Bestimmte Stoffe, wie Endorphine, werden dann weniger produziert. Darin liegt auch das Suchtpotenzial bei falscher Einnahme. Der Körper vermisst diese Stoffe, sobald das Morphium nicht mehr da ist. Aber die meisten Menschen, die Opiate bekommen, werden niemals abhängig.

MST ist verschreibungspflichtig. Eine 50-Stück-Packung mit MST 10 Retardtabletten kostet 41,38 Euro. Ähnliches gibt es u.a. von Ratiopharm (50 Stck. für 30,74 Euro) oder Merck (50 für 34,59 Euro). Auch als Lösung oder Zäpfchen.

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