So kann’s gehen : Darf man wieder stippen?

Immer wieder sonntagsfragen SieElisabeth Binder.

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Ich erinnere mich noch, wie meine Großmutter ihr Brötchen in den Kaffee stippte, weil sie kaum noch Zähne hatte. Jetzt werde ich wieder mit dem Phänomen konfrontiert. So stippt meine Freundin beim Italiener ihren Mandelkeks in den Espresso. Ist das wieder salonfähig?

Manches, was einst der Not geschuldet war, kommt aus anderen Gründen wieder in Mode. Brennnesselsuppe und Steckrübeneintopf galten lange als Arme-Leute-Essen, heute arbeiten sich Sterneköche daran ab. Genauso verhält es sich mit dem Stippen. Wo dank guter Zahnversorgung die meisten Menschen auch im Omaalter noch zubeißen können, stippt man nicht mehr hauptsächlich, um ein Lebensmittel weichzukriegen. Das Stippen heißt inzwischen Dippen und ist so salonfähig wie nie. Denn mit Dips kann man wunderbar den Appetit anheizen. Man könnte klassische Dips wie Guacamole oder Salsa auch „Stippe“ oder Tunke nennen, aber das würde in den meisten Menschen vermutlich nur unglückliche Erinnerungen an Omas verlorene Zähne wecken. Also benutzt man lieber das englische Wort.

Beim Stippen oder Dippen sollte man einige Regeln beachten. Meist werden mehrere Schüsseln mit verschiedenen Tunken auf dem Tisch stehen, und in die tauchen alle ihre Kekse, Maischips oder Gemüsestängel ein. Dass man möglichst nicht kleckern sollte, versteht sich von selbst. Viele wissen aber nicht, dass man das Brot oder die Chips in mundgerechte Stücke bricht, bevor man sie eintaucht. Es wirkt unter Umständen unappetitlich, ein angebissenes Gurkenstück wieder in die gemeinschaftliche Tunke zu tauchen.

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