So kann’s gehen : Fitness oder Firma

Immer wieder sonntagsfragen SieElisabeth Binder

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Demnächst öffnet ein Fitness-Studio in der Nähe meiner Firma. Ich würde gern dort trainieren, habe aber Bedenken, weil ich dort vermutlich Kollegen treffe. Muss ich mit ihnen Small Talk machen oder ihnen an den Geräten helfen? Und wie verhalte ich mich, wenn der Chef die Dusche betritt?

Natürlich ist es praktisch, wenn man von der Arbeit nur einen Sprung zur Fitness machen muss. Wenn Sie sich dazu entschließen, sollten Sie unbedingt damit rechnen, Kollegen zu treffen. Dass man nicht schweigend aneinander vorbeigeht, ist auch klar. Wenn man darum gebeten wird, sollte man an den Geräten helfen – und den Chef in der Dusche mit der gleichen höflichen Distanz behandeln wie andere Gäste auch. Dass dies ein falscher Ort wäre, Arbeitsprobleme zur Sprache zu bringen, versteht sich von selbst. Ihr Fragen lassen freilich darauf schließen, dass Ihnen unbehaglich ist bei dem Gedanken, ihre Freizeit auch noch mit Kollegen teilen zu müssen. Das ist vielleicht sogar ein ganz vernünftiges Unbehagen, denn man muss ja auch mal abschalten. Zwar können auch Betriebssportgruppen ihre Reize haben, wenn sie sich im Fitnesscenter formieren. Wenn man Spaß beim Sport teilt, wirkt sich das womöglich sogar günstig aufs Betriebsklima aus. Sollte Ihnen aber unwohl sein bei dem Gedanken, dass die Kollegen Sie bei Ihrem Training beobachten und mit Kommentaren vielleicht nicht sparen, dass der Chef durch pure Anwesenheit auch noch in der Dusche stresst und bei der kollegialen Hilfe an den Geräten Leistungsdruck entsteht, dann ist das neue Studio nicht die richtige Wahl. Dann sollten Sie etwas in Ihrer häuslichen Umgebung suchen. Gut, da könnten Sie Nachbarn treffen, ein Studio ist nun mal ein geselliger Ort. Wenn Sie am liebsten allein sind in der Freizeit, wären vielleicht Waldläufe die bessere Wahl.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an:

meinefrage@tagesspiegel.de

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