So kann’s gehen : Grüßen und dann schweigen

Immer wieder sonntagsfragen SieElisabeth Binder.

von

Mit unserer 62-jährigen Nachbarin hatten wir über viele Jahre ein gutes Verhältnis. Leider hat sich das drastisch verschlechtert, nachdem sie einen 30 Jahre jüngeren Mann geheiratet hat. Seitdem hagelt es Beschwerden. Er beschimpft uns übel. Mein Anwalt rät, nichts zu unternehmen. Was meinen Sie?

Sie möchten mit den Nachbarn in Frieden leben, aber der neue Mann lässt das nicht zu. Also sollten Sie die Situation nicht eskalieren lassen. Dass von einem Mann in einer solchen Situation Kampfesmut verlangt wird, damit er nicht als Schwächling dasteht, ist eine überholte Haltung. Sie führt auch ganz sicher nicht zum gewünschten Erfolg. Außerdem kann es Ihnen wirklich ganz egal sein, was ein Mensch über Sie denkt, der sich in solcher Weise benimmt. Leider kommt er in Ihrem Lebensumfeld vor, aber je mehr Sie tun, um die Situation zu entschärfen, desto weniger häufig werden Sie ihn wahrnehmen und sich ärgern müssen. Von sich aus sollten Sie die Nachbarn gar nicht mehr ansprechen. Belassen Sie es bei einem kurzen Gruß, wenn Sie sich begegnen. Brechen Sie keinen Streit vom Zaun, wenn es ungerechtfertigte Beschwerden gibt, sondern sagen Sie nur kurz, dass Sie tun, was Sie können. So, wie Sie den Mann beschreiben, steckt er voller Aggressionen, die soll man nicht noch anstacheln.

Für Ihre Nachbarin können Sie in Erinnerung an alte Zeiten etwas tun. Halten Sie die Augen auf. Mit einem solchen Mann ist es sicher schwer, eine glückliche Beziehung zu haben. Vielleicht verhält er sich in der Ehe genauso gewalttätig wie in seiner Sprache Ihnen gegenüber. Sollten Sie den Eindruck bekommen, dass die Nachbarin Hilfe braucht, warten Sie eine Abwesenheit des pöbelnden Ehemannes ab. Dann erkundigen Sie sich nach ihrem Befinden. Wenn Sie Glück haben, löst sich das Problem eher früher als später von selber auf und die Ehe geht auseinander. Es kann aber sein, dass Sie vorher noch mal die Polizei rufen müssen.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder per Mail: meinefrage@tagesspiegel.de

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