So kann’s gehen : Kürzer feiern

Immer wieder sonntagsfragen SieElisabeth Binder

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Wir sind schon etwas älter und würden gern Feiern in unserem Haus, zu denen Kinder, Enkel und Freunde kommen, gegen 22 Uhr beenden. Wie machen wir das unseren Gästen klar, ohne sie vor den Kopf zu stoßen?

Hierzulande fühlen sich Gäste zu oft verpflichtet, möglichst lange zu bleiben, um damit zu dokumentieren, dass ihnen ein Fest gefallen hat. Daraus entsteht leicht ein Teufelskreis, der auch schon mal in allgemeine Gähnorgien mündet. Sie sind nicht die einzigen Gastgeber, denen es lieber wäre, wenn das Fest beizeiten zu Ende ginge. Manche Leser sind dazu übergegangen, nur noch zu Schiffstouren einzuladen, weil sie damit Herren über das Ende sind. Das ist tatsächlich eine gute Idee, aber nicht überall umsetzbar. Auch die Alternative, ins Restaurant einzuladen und selber zu gehen, wenn man müde ist, bietet sich nicht in jedem Fall an. Professionelle Veranstalter, aber auch Botschaften laden zu Empfängen von 18 bis 20 Uhr oder zu Abendessen von 19 bis 22 Uhr ein. Eine zeitliche Begrenzung entspricht internationalen Gepflogenheiten, und man kann nur hoffen, dass sich diese guten Sitten im Zuge der Globalisierung auch bei uns verankern lassen. Das wird vielleicht noch eine Generation dauern. Bis dahin sollten sie einen Anlass finden, zu dem sie schriftlich einladen können. Und dann probieren Sie es einfach mal auf die internationale Art. Eine herzliche Einladung zum Geburtstagfeiern von 18 bis 22 Uhr sollte ja niemandem Grund geben, sauer zu sein. Im Gegenteil, sicher werden manche Gäste erleichtert sein über die klare Angabe. Die Jüngeren wissen dann, wann sie sich mit Gleichaltrigen zur Clubsause danach verabreden können, und die Älteren haben Gewissheit, dass sie nicht als unhöflich gelten, wenn sie es sich selber anschließend zu Hause noch gemütlich machen können. Wer grundsätzlich erwartet, dass Gastfreundschaft maßlos sein muss, wäre vielleicht sowieso kein so guter, weil selber maßloser Gast.

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