So kann’s gehen : Nichts ist gratis

Immer wieder sonntagsfragen SieElisabeth Binder.

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Wir haben ein Sommerhaus. Mein Schwager und seine Familie verbringen dort jedes Jahr zwei Wochen Ferien und möchten auch in den nächsten Jahren dorthin. Dagegen haben wir nichts. Allerdings hatte ich gehofft, dass Sie sich während dieser Zeit an den Nebenkosten beteiligen würden. Ich mag das nicht direkt einfordern und denke, dass ich großzügig sein sollte. Es wäre aber schön, wenn sie es wenigstens anbieten würden.

Ihr Unbehagen ist kein Mangel an Großzügigkeit. Natürlich soll man gastfreundlich sein, auch und gerade innerhalb der eigenen Familie. Wenn Sie das Sommerhaus zur Verfügung stellen, nehmen Sie doch bereits in Kauf, dass es strapaziert und abgewohnt wird in der Zeit. Dass Sie auch noch die Nebenkosten selber tragen müssen, scheint mir mindestens eine kleine Zumutung zu sein. Innerhalb von Familienzusammenhängen wird oft viel zu viel für selbstverständlich genommen. Das macht das Zusammenleben manchmal schwierig. Denn auch wenn Sie Ihr Unbehagen mit diesem Zustand noch nicht geäußert haben, beeinträchtigt es doch das Verhältnis zum Schwager. Unmerkliches Grummeln bahnt sich irgendwann den Weg, manchmal viel später bei einem nichtigen Anlass. Deshalb wäre es wichtig, beizeiten gegenzusteuern.

Ein offenes Wort in einer ruhigen Minute mit der Schwester, wäre eine Möglichkeit. Sie können doch Ihre Freude ausdrücken, dass ihre Familie den von Ihnen geliebten Ort auch zu schätzen weiß, dass Sie froh sind, wenn Sie das Haus auch künftig zur Verfügung stellen können, aber damit zu rechnen sei, dass eine Kostenbeteiligung erwünscht sein wird, wenn sich Ihre eigene Situation mal wirtschaftlich verschlechtert. Spätestens dann sollten etliche Groschen fallen. Schwester und Schwager müssten sich eingestehen, dass sie etwas versäumt haben. In der Regel ist nichts umsonst, was man gratis überlassen bekommt. Es ist nie falsch, zu überlegen, wer die Kosten trägt und eine Beteiligung anzubieten.

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