So kann’s gehen : Obstfrevler rügen?

Immer wieder sonntagsfragen SieElisabeth Binder

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Beim Discounter behandeln Kunden, die offensichtlich kein großes Budget zur Verfügung haben, Früchte oft wie Müll, zerren Obstverpackungen von ganz unten aus den Kartons und werfen die oberen achtlos zur Seite. Wenn ich sie darauf anspreche, erfahre ich große Ablehnung.

Großzügigkeit können sich die Reichen leichter leisten, weil ihnen oft sowieso das Beste angeboten wird. Wer immer darauf angewiesen ist zu feilschen, wird womöglich irgendwann Grenzen überschreiten, auch die der Höflichkeit im Umgang mit dem mahnenden Nachbarn an der Obstkiste. Das Phänomen würde ich aber keinesfalls auf Menschen beschränken, die wenig Geld zur Verfügung haben. Gerade diese gehen oft besonders achtsam mit Lebensmitteln um. Das ist keine Frage des Geldbeutels, sondern des Typs. Auch in gut situierten Gegenden können Sie im Supermarkt Menschen beobachten, die jede Pflaume einzeln befingern und mit einer imaginären Lupe begutachten, bevor sie sie dann in die Tüte packen. Auch da wird achtlos das einmal angepackte Obst zurückgeworfen. Und selbst wenn es im Supermarkt etwas netter arrangiert ist als beim Discounter, bleibt das Ergebnis doch unhygienisch und unerfreulich. Man muss die Menschen nehmen, wie sie sind, und viele sind nun mal auf ihren eigenen Vorteil aus. Trotzdem ist eine Rückkehr zum Verkäufer, der die Tüten für den Kunden vollpackt, wohl nicht zu erhoffen. Schön wäre es, wenn sich große Ketten einen Obst- und Gemüse-Coach leisten würden, der in wechselnden Filialen den Kunden auf die Finger schaut. Ich glaube, dass das kommen wird, weil der bewusste Umgang mit Lebensmitteln im wachsenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Klimaschutz eine Rolle spielen wird. Bis dahin finden Sie sich ab mit der Rolle der Pionierin und mahnen Sie ruhig weiter, wenn Sie es über sich bringen.

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