So kann’s gehen : Ruhe ist ein Luxusgut

Immer wieder sonntagsfragen SieElisabeth Binder.

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Ich fahre immer wieder einmal mit der Bahn längere Strecken. Weil ich Tickets frühzeitig buche, leiste ich mir die 1. Klasse. Wiederholt habe ich mit Geschäftsreisenden am Tisch gesessen, die laute Arbeitsgespräche führen wie im Büro, letztens sogar in der Ruhezone. Was kann man tun?

Grundsätzlich muss man im Zug die Gesellschaft der anderen aushalten. In der 2. Klasse mischen sich der Geruch von frisch gepellten Eiern mit dem Anblick von ausgewaschenen Stricksöckchen und mitgehörten Handy-Gesprächen. Klar, dass Manager die Zeit, die zum Überwinden von Entfernungen gebraucht wird, gern effizient nutzen und unterwegs konferieren. Dass Sie unfreiwillig Zeuge einer Konferenz- Situation werden und sich bei einer erholsam gemeinten Vergnügungstour unangenehm zurückgeworfen fühlen in die Welt des Arbeitslebens, werden Sie nicht verhindern können.

In der Ruhezone freilich haben Sie ein Recht auf Ruhe und könnten einen Einspruch versuchen, indem Sie den konferierenden Herren einen Umzug vorschlagen in einen Bereich, in dem Handys und also auch laute Gespräche toleriert werden müssen. Fehlt das Einsehen, könnten Sie auch den Schaffner fragen, welche Regeln in diesem Fall Anwendung finden könnten.

Ruhe wird ja immer mehr zum Luxusgut, die Bahn aber auch. Da sollte sich beides zusammenführen lassen. Vielleicht wäre die Einrichtung von Konferenzabteilen nach dem Muster der Kinderabteile eine gute Lösung.

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