So kann’s gehen : Sind volle Gläser ein Muss?

Immer wieder sonntagsfragen SieElisabeth Binder

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Es ärgert mich schon lange, dass in sogenannten guten Restaurants ungefragt immer wieder nachgeschenkt wird, sobald man einen Schluck getrunken hat. Das gilt für Wein und für Wasser. Ist das etwa stilvoll?





Wie stilvoll ist das Bemühen, Geld zu verdienen? Es ist ja doch verständlich, dass ein Restaurantbesitzer einen möglichst hohen Umsatz anstrebt. Um den zu erreichen, wird er seine Sommeliers und Kellner anweisen, darauf zu achten, dass die Gläser immer gut gefüllt sind. Wie durch ein Wunder sind die eigentlich für den ganzen Abend vorgesehenen Flaschen vielleicht schon nach der Vorspeise leer, und es wird nach Nachschub verlangt. Manche Gäste erwarten diese Art von Aufmerksamkeit auch. In sehr guten und sehr teuren Restaurants ist es oft üblich, die Flasche außer Reichweite zu stellen. Lässt sich der Kellner dann zur Unzeit zu viel Zeit mit dem Auffüllen der Gläser, wird das unter Umständen auch als nervig empfunden – obwohl diese Nachlässigkeit dann am Ende sogar die eigene Brieftasche schont.

Das Nachfüllen darf natürlich, wenn es sich wirklich um ein gutes Restaurant handelt, nicht nach jedem Schluck erfolgen. Man will ja nicht dauernd gestört und unterbrochen werden. Erst wenn sich der Pegel im Glas deutlich geneigt hat, sollte nachgeschenkt werden. Wie schnell das der Fall ist, liegt im Grunde ganz bei Ihnen. Wenn Sie eine Runde aussetzen möchten, reicht normalerweise eine unauffällige pantomimische Geste, um diesen Wunsch zu signalisieren. Halten Sie einfach kurz die Hand übers Glas. Ein kurzes „Bitte nicht“ oder „Ich mache mal eine Pause“, ist ebenfalls geeignet, übereifrige Kellner zu stoppen.

Wenn Sie sicher gehen möchten, dass sich die Getränkerechnung am Ende des Abends in Grenzen hält, können Sie sich vorab mit dem Servicepersonal darüber verständigen, wie oft und wie schnell nachgeschenkt wird. Sollten Sie zum Beispiel eine größere Gruppe bewirten, wird es jeder verstehen, wenn Sie sich selber vor bösen Überraschungen schützen wollen.

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