So kann’s gehen : Soll man Kellner korrigieren?

Immer wieder sonntagsfragen SieElisabeth Binder.

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Darf man eine Servicekraft darauf hinweisen, dass sie ein Fremdwort falsch ausspricht? Das passiert immer wieder, wie bei Ciabatta und Bruschetta.

Diese Frage erinnert mich an die unendliche Geduld von Generationen italienischer Restaurantbetreiber mit deutschen Gästen, die an ihnen ihre italienischen Sprachfertigkeiten ausprobierten. Die Italiener haben wohl auf manche Korrektur verzichtet um der guten Laune willen. Sicher lockt Sie der Gedanke, eine einmalige Korrektur reiche, um für alle Zeit die Aussprache zu sichern. Aber das ist gar nicht gesagt. Oft stehen Servicekräfte unter großem Stress, und dass sie nebenbei noch Vokabeln lernen, halte ich für wenig wahrscheinlich.

Eine diskrete Weise der Korrektur bestünde darin, die Worte im Gespräch mit den Kellnern wiederholt betont auszusprechen. Wenn es sich um ein Lokal handelt, das Sie öfter besuchen und die falsche Aussprache ernsthaft nervt, könnten Sie durchaus auch deutlicher werden. Zum Beispiel so: „Viele denken, man spricht das so aus wie Sie, aber ich habe mal von einem Muttersprachler gelernt, wie es richtig ist. Darf ich es Ihnen gerade mal vormachen?“ Da kann eigentlich niemand gekränkt sein, weil Sie deutlich machen, dass Sie es ja auch erst lernen mussten und nicht von Natur aus überlegen sind. Wenn Sie einen nachhaltigen Effekt sichern wollen, könnten Sie das auch in Lautschrift auf ein Kärtchen schreiben und es dem Kellner mit der schlimmsten Aussprache zusammen mit dem Trinkgeld überreichen. Spüren Sie, dass die Kellner gar nicht lernen wollen, dann sollten Sie nicht penetrant sein. Durch solche Fehler wird ja kein großer Schaden angerichtet. Zwar ist eine hohe Sprachsensibilität sehr zu schätzen und insofern auch zu schützen. Aber Großzügigkeit im Umgang mit anderen Menschen ist auch nicht schlecht.

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