So kann’s gehen : Urlaubs-SMS beantworten?

Immer wieder sonntagsfragen SieElisabeth Binder.

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Statt Postkarten bekomme ich immer häufiger Mails oder Texte und Bilder auf mein Handy geschickt von Freunden, die im Urlaub sind. Ich bin nie sicher, ob man antworten soll. Einerseits möchte man im Urlaub doch nicht an zu Hause erinnert werden, andererseits antwortet man auf Texte und Mails. Bei Postkarten war das meist nicht möglich.

Für diese Fragen gibt es leider keine allgemeine Regel. Wenn jemand wirklich nicht an zu Hause erinnert werden will, reicht es nicht mehr, Ozeane zu überwinden. Dann muss er auch eine elektronische Entfernung herstellen, was sehr viel schwerer ist, als ins Flugzeug zu steigen und loszufliegen.

Nichterreichbarkeit ist zum größten Luxus geworden, viele trauen sich schlicht nicht mehr, wenigstens vorübergehend mal einen Schnitt zwischen ihrem normalen Alltag und der Urlaubswelt zu machen. Das würde nämlich bedeuten, das Mobiltelefon in den Hotelsafe zu sperren und tatsächlich so altmodischen Beschäftigungen nachzugehen wie Postkarten schreiben an die Lieben daheim. Der Suchtfaktor spielt natürlich auch eine Rolle, denn ohne das Smartphone in der Tasche fühlen sich viele nackter als am FKK-Strand.

Es sollte vielleicht nicht so sein, dass Telefone Menschen verändern, aber genau das ist passiert. Das Verlangen nach Feedback, das früher schon oft nicht ausreichend Erfüllung fand, hat sich dramatisch erhöht. Inzwischen ist man es einfach gewohnt, auf eine Nachricht rasch eine Antwort zu bekommen. Das gilt auch für Urlaubsgrüße. Man kann ja die im Telefon gespeicherten Kontakte nicht einfach ignorieren, ebenso wenig wie die Neugier darauf, wie die Freunde das finden, was man gerade erlebt hat. SMS hat die psychologischen Entfernungen erheblich verringert. Wer heute in der Wüste Gobi den Mond anhimmelt und sein Telefon mitgebracht hat, um das Foto desselben mal rasch rumzumailen, rechnet nicht ernsthaft damit, die Verbindung zur alten Welt gekappt zu haben. Also sollten Sie ruhig eine Antwort zurücksimsen. Dazu vielleicht etwas Nostalgisches wie „Guter Mond, du gehst so stille ...“.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an:

meinefrage@tagesspiegel.de

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