So kann’s gehen : Wer soll nun die Rechnung zahlen?

Einmal in der Woche fragen Leser Elisabeth Binder, wie man am besten mit komplizierten oder peinlichen Situationen so umgeht, dass es am Ende keine Verstimmungen gibt: So kann's gehen.

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Das erste Date - doch wer soll die Rechnung begleichen?
Das erste Date - doch wer soll die Rechnung begleichen?Foto: picture alliance

Als emanzipierter Mann vertrete ich die Meinung, dass die Rechnung entweder geteilt wird, oder jeder zahlt selbst. Meine Frau (sehr selbstbewusst und emanzipiert) befand im Nachklang eines Films, den wir gemeinsam sahen, selbstverständlich habe der Mann die Rechnung komplett zu übernehmen. Die Frau könne dann ja beim nächsten Date die Rechnung übernehmen. Meinen Einwand, dass es eventuell kein zweites Date gibt, ließ sie nicht gelten. (Thorsten, geschockt)

Natürlich klingt es auf Anhieb vernünftig, die Rechnung beim ersten Date zu teilen. Auch die Variante, dass jeder sein eigenes Konto begleicht, hört sich fair genug an.

Das setzt schon gleich die Tonlage für einen guten Ehevertrag. Der sichert dann im Zweifel ein Auseinandergehen in gegenseitigem Einvernehmen und daraus resultierend eine lebenslange Freundschaft. Schließlich verdienen Frauen in der Regel eigenes Geld, für finanzielle Ritterlichkeit besteht da also gar kein Anlass mehr. Einerseits.

Die eigene Großzügigkeit an die Oberfläche spülen lassen

Andererseits hat ihre Frau natürlich auch einen Punkt getroffen. Ein erstes Date ist ja in aller Regel nicht der Anfang einer wunderbaren Geschäftsbeziehung. Es gibt Menschen, die erhoffen sich Schmetterlinge im Bauch, etwas Ungewöhnliches, Verrücktes oder, frei nach Hemingway, sie wünschen sich, dass die Erde bebt. Das mag immer noch kein Grund sein, sich an einer Frau zu ruinieren, die man vielleicht nie wieder sehen will.

Aber grundsätzlich sollte man diese Frage nicht vorab entscheiden. Geben Sie sich doch die Chance, auf eine Frau zu treffen, die eine tief in Ihnen verborgene Großzügigkeit an die Oberfläche spült.

Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.
Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.Quelle: Tsp

Gönnen Sie sich die Hoffnung auf einen mindestens kleinen Liebesblitz, der es Ihnen am Ende völlig egal erscheinen lässt, wer nun diese blöde kleine Rechnung übernimmt.

Treffen Sie auf eine unerträgliche Besserwisserin mit Mundgeruch, können Sie immer noch in Ihrem Portemonnaie nach Kleingeld kramen für das Bier, das Sie gerade verschwendet haben. Aber lassen Sie sich bitte Freiraum für Überraschungen – auch für solche mit sich selber.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an: meinefrage@tagesspiegel.de

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