Berlin : So weit die Räder tragen: Bücher für die Lenkertasche

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Radtourenführerschreiben ist für ehrgeizige Literaten wie Reifenflicken für ZweiradMechanikermeister: auf den ersten Blick scheinbar unter der beruflichen Würde – aber entlarvend im Falle eines Misserfolges. Gedrechselte Sätze, deren Botschaft man sich nicht bis zur nächsten Kreuzung merken kann, sind unterwegs fast so ärgerlich wie schleichender Luftverlust. Umso mehr lohnt es sich, das ständig wachsende Angebot zu studieren.

Neu auf dem Markt sind beispielsweise die „Radtouren ins Berliner Umland“ (KlaRas-Verlag, 12,80 Euro) von Carsten und Bettina Rasmus. Zwischen aprilfrisch grünen und dank Spiralbindung schonend klappbaren Umschlagdeckeln stecken zehn präzise formulierte Tourenbeschreibungen. Fast alle führen als Runden am Berliner Stadtrand entlang. Start und Ziel ist jeweils ein S-Bahnhof, gefahren wird in aller Regel auf verkehrsarmen, aber nicht immer befestigten Nebenstraßen und Wegen. Damit eignen sich die meist nur 20 bis 30 Kilometer langen Strecken gut für Genießer und Familien, weniger für Sportler. Was es unterwegs zu sehen gibt, wird am Seitenrand sowie in Extrablöcken erzählt. Die Orientierung ist dank genauer Karten und einer stichwortartigen Wegbeschreibung zu Beginn jeder Tour kein Problem. Geschmackssache ist die Auswahl der Routen: Positiv gesehen, führen die Autoren auch durch Gegenden, die man auf eigene Faust nicht unbedingt erkunden würde. Umgekehrt ist es aber schade, dass Klassiker wie die beliebig variablen Touren zwischen Müggelsee, Erkner und Grünheide völlig fehlen.

Derer nimmt sich ADFC-Aktivist Axel von Blomberg in „Die schönsten Radtouren rund um Berlin“ (Bielefelder Verlag, 12,95 Euro) an. Gleiches Format, gleiche Spiralbindung, gleicher Preis, gleiche Tourenzahl. In der jetzt erschienenen siebten Auflage sind einige Routen verändert und die Karten bunt. Dafür fehlen ihnen neuerdings die Straßennamen, so dass die Orientierung ohne Zusatzkarte kaum möglich ist. Die Auswahl der Touren ist etwas westlastig, aber angesichts vieler reizvoller Uferstrecken gelungen. Manche Wegbeschreibung könnte durchaus präziser sein, und etwas weniger „ich“ täte dem Text auch nicht schlecht.

Nicht nur die meisten Kilometer fürs Geld, sondern auch die besten Karten gibt es im „ Radatlas Berlin “ (Esterbauer-Verlag, 11,90 Euro) der Bikeline-Serie, der City und Umland abdeckt. Der Text im Telegrammstil reicht zur Orientierung aus, die Zusatzinfos sind ausreichend. Eine glänzende Idee ist das Querformat – denn was nützen große Worte, wenn sie nicht in die Lenkertasche passen? obs

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