Berlin : So wirken Insulin-Präparate

Adelheid Müller-Lissner

Beispiel: Actraphane (Novo Nordisk), laut Informationsdienstleister „IMS“ meistverkauftes Insulinpräparat in Deutschland.

Das Hormon Insulin wirkt wie ein Türöffner. Er lässt Zucker, der aus dem Blut kommt, in die Zellen ein, wo er gebraucht wird. Beim Zuckerkranken funktioniert das nicht: Entweder, weil kein oder zu wenig Insulin von der Bauchspeicheldrüse produziert wird (Diabetes I), oder aber, weil die Zellen mit der Zeit gegenüber diesem Hormon unempfindlich geworden sind, so dass immer mehr gebraucht wird und die Bauchspeicheldrüse irgendwann erschöpft aufgibt. Das ist der weitaus häufigere Diabetes II oder „Altersdiabetes“. Der hohe Zuckerspiegel im Blut schädigt auf die Dauer viele Organe. In den Zellen herrscht dafür Zucker-Mangel, der zu Erschöpfung und Müdigkeit führen kann.

Alle Diabetiker vom Typ I und viele Alters-Diabetiker (die oft noch recht jung sind) müssen ihrem Körper das Insulin dann von außen zuführen, als Hormonersatztherapie.

Ursprünglich wurde das Insulin aus Bauchspeicheldrüsen von Schlachtvieh gewonnen. Seit etwa 15 Jahren wird das Hormon gentechnisch hergestellt – ein Riesenfortschritt für Diabetiker, die früher manchmal Antikörper gegen das tierische Hormon entwickelten. Doch eines bleibt: Insulin ist ein Protein und würde verdaut, wenn es als Tablette eingenommen würde. Um anzukommen, wo es gebraucht wird, muss es unter die Haut (im Notfall in die Vene) gespritzt werden.

Das so genannte „Normalinsulin“, das so heißt, weil es chemisch nicht verändert wird, wirkt schnell, dafür lässt die Wirkung aber nach vier Stunden wieder nach. Damit Diabetiker nicht allzu häufig spritzen müssen, wurden Insuline entwickelt, die mit Verzögerung aus dem Fettgewebe ins Blut abgegeben werden. Sie wirken acht bis zwanzig Stunden.

Allein mit diesem „Verzögerungsinsulin“ lässt sich aber nicht aller Zucker verarbeiten, der nach einer Mahlzeit im Blut anfällt. Deswegen wird seit längerem eine Kombination beider Insuline angewandt. Actraphane ist so ein Kombipräparat und besteht aus 90 bis 50 Prozent Verzögerungs- und dem restlichen Anteil Normalinsulin. Das macht den Diabetiker flexibler, weil er selbst bestimmt, wie viel schnell wirkendes Insulin er braucht. Nimmt er zur festgelegten Dosis Verzögerungsinsulin kurz vor jeder Mahlzeit Normalinsulin, dann kann man auch als Diabetiker relativ spontan essen.

Auf dem Markt sind zahlreiche Medikamente in unterschiedlicher Zusammensetzung. Alle sind verschreibungspflichtig, die Preise von der Dosierung abhängig.

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