Berlin : So wirken Medikamente für Diabetiker

Björn Rosen

Beispiel: Amaryl, laut Marktforscher IMS meistverkauftes Präparat seiner Art.

Die Kohlenhydrate, die der Mensch mit der Nahrung aufnimmt, werden in der Verdauung zu winzigsten Teilchen zerlegt: zu Traubenzucker, Glucose. Die Glucose spendet den menschlichen Zellen Energie. Damit die kleinen Zuckerteilchen aus dem Blut ins Gewebe aufgenommen werden können, braucht es aber einen „Schleuser“: das körpereigene Hormon Insulin. Wer zuckerkrank ist, also unter Diabetes leidet, bei dem funktioniert diese Transporthilfe nicht mehr richtig. Entweder, weil der Körper überhaupt kein Insulin bildet. Diese Erkrankung nennt man Typ-1-Diabetes. Oder, weil das Hormon zur falschen Zeit und nicht stark genug ausgeschüttet wird (Typ-2-Diabetes).

Oft sind die Zellen dann zudem nicht mehr in der Lage, richtig auf das Insulin zu reagieren und brauchen besonders viel davon.

Amaryl ist ein Mittel für Typ-2-Diabetiker. Es soll der Bauchspeicheldrüse helfen, Insulin richtig abzugeben, und außerdem Aufnahme und Verwertung von Glucose in den Zellen verbessern. Ohne Medikamente wie Amaryl bleibt die Zuckerkonzentration im Blut zu hoch. Das kann zu Schäden an den Nieren, der Augennetzhaut, den Füßen und anderen Körperteilen führen.

Der Wirkstoff in Amaryl heißt Glimepirid. Diese vollständig synthetische Substanz gehört zur dritten Generation der Sulfonylharnstoffe, die schon seit Jahrzehnten gegen Diabetes eingesetzt werden. Glimepirid wirkt zweifach: in der Bauchspeicheldrüse, wo Insulin produziert wird, und in den Zellen, die Zucker „aufsaugen“ und für ihre Energieerzeugung verwenden.

Auf der Oberfläche der insulinproduzierenden Beta-Zellen, die Teil der Bauchspeicheldrüse sind, dockt Glimepirid an bestimmte Rezeptoren an. Durch diese Verbindung wird ein biochemischer Prozess in Gang gesetzt, der die elektrische Ladung der Zellen verändert. Die Ladungsveränderung führt wiederum dazu, dass die Zellen Insulin freigeben, das nun überall im Körper beim Einschleusen von Zucker helfen kann.

Im Fett- und Muskelgewebe, das mit Zucker versorgt werden soll, regt Glimepirid außerdem die Aktivität bestimmter Eiweiße an. Sie „fischen“ Glucose aus dem Blut und transportieren es in die Zellen. Dadurch sinkt der Zuckerspiegel, und die Zellen selbst werden besser versorgt.

Amaryl ist rezeptpflichtig. Eine Packung (1 mg, 120 Stück) kostet 28,43 Euro. Vergleichbar: das Mittel Glimepirid von 1A Pharma (17,40 Euro), Glimepirid Winthrop (24,17 Euro) oder auch Glimerid (28,43 Euro).

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