Berlin : So wirken Medikamente gegen Gicht

Björn Rosen

Das Beispiel: Allopurinol-ratiopharm, laut Marktforscher IMS meistverkauftes Präparat seiner Art.

Als Gicht bezeichnet man eine Stoffwechselstörung und deren vielfältige Folgen. Immer geht es darum, dass zu viel Harnsäure im Blut zirkuliert – meist deshalb, weil die Niere wegen einer angeborenen Störung nicht richtig arbeitet. Sie scheidet zu wenig Harnsäure aus, deren Ausgangsstoff Purin der Mensch mit der Nahrung aufnimmt, aber auch selbst produziert. Als Bausteine der Erbsubstanz sind Purine in jeder menschlichen und tierischen Zelle vorhanden, besonders viel davon nehmen wir mit Fleisch, Fisch, Innereien und Hülsenfrüchten zu uns. Eine gesunde, purinarme Ernährung kann auf jeden Fall helfen; oft braucht es aber auch Medikamente wie Allopurinol-ratiopharm. Sie senken den Harnsäurespiegel und sollen so verhindern, dass sich die Säure im Gewebe und in den Gelenken absetzt, dort starke Schmerzen und schließlich sogar fiebrige Gichtanfälle auslöst.

Allopurinol ist ein alter Wirkstoff, der schon seit vielen Jahrzehnten zum Einsatz kommt. Er wird zwar synthetisch im Labor erzeugt, seine Struktur ähnelt aber der des körpereigenen Hypoxanthin, einer von fünf Purinbasen und Bestandteil der menschlichen Erbsubstanz. Allopurinol-ratiopharm wird in der Regel einmal täglich eingenommen. In einer Tablette sind, je nach Bedarf, 100 bis 300 Milligramm des Wirkstoffs enthalten, der über den Darm schließlich ins Blut aufgenommen und im Gewebe, besonders in Leber und Dünndarm, verteilt wird. Dort vermindert er den Abbau von Purinen zu Harnsäure. Im menschlichen Körper werden Purine vor allem in der Leber, aber auch in der Dünndarmschleimhaut umgewandelt und abgebaut, dabei entsteht Harnsäure.

Eine besonders wichtige Rolle bei der Umwandlung spielt ein bestimmtes Enzym: die Xanthinoxidase. Allopurinol und sein Hauptabbauprodukt Oxipurinol können dieses Enzym hemmen. Sie heften sich in Konkurrenz mit den Harnsäurevorstufen an die Xanthinoxidase und verhindern dadurch, dass sie mit den Vorstufen reagieren kann. Der Abbau von Purin bleibt deshalb auf dieser Vorstufe stecken, die bis dahin entstandene Substanz kann einfach mit dem Urin ausgeschieden werden. Harnsäure ist gar nicht erst entstanden.

Eineinhalb Stunden nach Einnahme einer Allopurinol-ratiopharm-Tablette hat der Wirkstoff seine höchste Konzentration im Blut erreicht, danach wird er selbst Schritt für Schritt von körpereigenen Substanzen abgebaut. In höherer Dosierung kann Allopurinol Nebenwirkungen haben, etwa Hautjucken. Bei Patienten, deren Niere stark eingeschränkt arbeitet, muss die Dosis verringert werden.

Allopurinol-ratiopharm kostet 15,21 Euro (300mg, 100 Tabletten). Alternative: Allopurinol von 1A Pharma (15,15 Euro), von Sandoz, Hexal oder Stada (jeweils 15,20 Euro)

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