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Berlin : So wirken Mittel gegen den Grünen Star

23.10.2006 00:00 UhrVon Björn Rosen

Beispiel: Xalatan-Augentropfen, meistverkauftes Präparat seiner Art.

Das Kammerwasser, das in die hintere Augenkammer abgegeben wird, versorgt Hornhaut und Linse mit den wichtigsten Nährstoffen. In gesundem Zustand strömt dabei so viel Flüssigkeit ein, wie wieder abfließt. Dieses Gleichgewicht geht bei vielen Menschen mit dem Alter verloren, weil die „Abflüsse“ durch Stoffwechselprodukte zunehmend verstopfen. Mehr Wasser bedeutet zugleich mehr Druck im Innenauge und auf die Sehnerven des Auges – diese Belastung, der „Grüne Star“, kann bis zum Erblinden führen.

Xalatan-Augentropfen ist nur eines von vielen Präparaten gegen die Erkrankung, es unterscheidet sich aber grundlegend von den meisten anderen.

Während Medikamente jahrzehntelang die Produktion des Kammerwassers reduzierten, setzt das erst 1997 in Deutschland zugelassene Xalatan an anderer Stelle an: Es öffnet und erweitert „Reserve-Abflüsse“, durch die das Wasser ausdringen kann. Der Wirkstoff, der diesen Effekt möglich macht, heißt Latanoprost. Er wurde in den 80er Jahren entwickelt und ähnelt stark einer Gruppe natürlicher Fettsäuren aus dem menschlichen Körper: den F2-Alpha-Prostaglandinen, die im Wesentlichen die gleiche Wirkung wie das Medikament haben. Bei der Herstellung von Latanoprost orientiert man sich an diesen Stoffen, fügt aber weitere Moleküle hinzu, die unter anderem dafür sorgen, dass Xalatan besser von der Hornhaut aufgenommen wird und verträglicher ist.

Das Medikament muss nur einmal täglich eingenommen werden. Am besten am Abend, denn es sollte seine stärkste Wirkung, die es nach acht Stunden entfaltet, am frühen Morgen haben, wenn der Augeninnendruck am höchsten ist. Xalatan wird ins Auge geträufelt, ein Großteil der Lösung geht – wie bei allen Augenpräparaten – sofort verloren, weil er mit dem Wimpernschlag hinausgespült wird. Dennoch kann die Hornhaut genügend Latanoprost absorbieren, ein Teil des Wirkstoffs wird dabei abgespalten. Der Rest, die Latanoprost-Säure, dringt bis zum Gewebe des Ziliarmuskels vor. Dort befinden sich Zellen mit speziellen „FP-Rezeptoren“ auf der Oberfläche, an die die Substanz andockt. Durch die Verbindung wird eine biochemische Kettenreaktion angestoßen, in deren Folge ein Signal den Zellkern erreicht – mit der Botschaft: Mehr von dem Enzym Matrixmetalloproteinase bilden! Dieses Enzym zerlegt nun bestimmte Eiweiße im Gewebe – und macht damit den Weg für einen Kanal frei, durch den verstärkt Kammerwasser abfließen kann. Umliegendes Gewebe nimmt die Flüssigkeit auf. Folge: Der Augeninnendruck sinkt und damit auch der Druck auf den Sehnerv.

Xalatan kann das Auge röten. Außerdem beeinflusst der Wirkstoff Latanoprost offenbar die Pigmentzellen, sodass sich die Regenbogenhaut des Auges manchmal dunkler färbt.

Xalatan (3 Fläschchen, je 2,5ml) kostet 70,09 Euro. Alternativen: Kohlpharma Xalatan (2,5ml, 29,09 Euro), Vistagan (5ml, 12,88 Euro) oder Borocarpin (10ml, 11,79 Euro).

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