Berlin : So wirken Mittel gegen Depressionen

Björn Rosen

Das Beispiel: Remergil, laut dem Informationsdienstleister „IMS Health“ meistverkauftes Antidepressivum in deutschen Apotheken.

Depressionen sind Erkrankungen des Nervensystems. Ihre Symptome – Traurigkeit, Antriebslosigkeit – sind darauf zurückzuführen, dass die „Chemie der Psyche“ messbar aus dem Lot geraten ist. Das heißt: Die Nervenzellen produzieren nicht genug von bestimmten Neurotransmittern, von jenen Stoffen, die als chemische Boten Informationen zwischen den Zellen weiterleiten und: die auch als Stimmungsaufheller wirken. Folge: Das Nachrichtennetzwerk im Gehirn ist gestört, die komplexe Regulierung von Emotionen funktioniert nicht mehr richtig.

Remergil sorgt dafür, dass mehr Neurotransmitter in den Nervenzellen produziert werden. Es enthält den Wirkstoff Mirtazapin. Der wird über die Darmschleimhaut ins Blut und schließlich in das Gehirn transportiert. Mirtazapin wirkt an den Verbindungen zwischen zwei Nervenzellen: den Synapsen. Auf ihnen befinden sich Millionen von Rezeptoren. Sie messen und regulieren die Konzentration von Neurotransmittern genauso wie ein Heizungsthermostat die Temperatur eines Raumes konstant hält. Diese Neurotransmitter – Noradrenalin und Serotonin sind die wichtigsten – zieht es zu den „Thermostaten“ hin. Je mehr sich an die Rezeptoren binden, desto weniger werden in der Zelle neu produziert, denn die Rezeptoren erhalten ja die Information „Sättigung erreicht“.

Mirtazapin jedoch täuscht der Zelle vor, dass zu wenig Botenstoffe produziert worden sind. Seine Struktur ist der des Noradrenalins nachempfunden. Deshalb kann der Wirkstoff ebenfalls an die „Zell-Thermostate“ ankoppeln – anstelle der echten Neurotransmitter. Aber: Die Zell-Thermostate nehmen das Mirtazapin nicht als Neurotransmitter wahr. Es besetzt deren Platz nur, ohne die regulierende Wirkung zu haben und verhindert so, dass an diesem Platz Transmitter wahrgenommen werden. Ergebnis: Die Rezeptoren registrieren insgesamt weniger Neurotransmitter – und geben das Signal für die Produktion von mehr. Nach zirka zwei Wochen bessert sich die Stimmung der Patienten, die Traurigkeit verschwindet. Antidepressiva unterdrücken die Symptome einer Depression aber nur, sie beseitigen nicht die Ursache.

Remergil ist rezeptpflichtig. Eine Packung (30 mg) mit 48 Tabletten kostet 91,99 Euro. Der gleiche Wirkstoff ist auch in Mirtazapin Stada (50 Tabletten für 78,20 Euro) enthalten.

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