Berlin : So wirken Mittel gegen Epilepsie

Björn Rosen

Beispiel: Lamictal, laut Marktforscher IMS meistverkauftes Präparat seiner Art.

Epilepsien sind chronische Erkrankungen des Nervensystems. Sie werden oft als „Gewitter im Gehirn“ beschrieben, denn Betroffene leiden unter Anfällen, bei denen sich viele Nervenzellen abnorm und zur gleichen Zeit elektrisch entladen. Diese Attacken können mit Muskelkrämpfen, Zuckungen und Bewusstlosigkeit oder kurzzeitiger geistiger Abwesenheit einhergehen. Vorbeugende Mittel wie Lamictal – so genannte Antiepileptika – sollen die Anfälle verhindern. Die Medikamente wirken im Gehirn, verringern dort die Entladungen. Entstehen kann eine Epilepsie durch Hirnerkrankungen. Manchmal hat sie aber auch keine erkennbare Ursache.

Etwa 0,7 Prozent der Bevölkerung leiden an Epilepsie. Jahrhundertelang hat man die Krankheit nicht wirkungsvoll behandeln können. Erst im Jahr 1853 wurde mit Brom eher zufällig das erste Antiepileptikum entdeckt. Die heutigen, im Labor erzeugten Medikamente sind zwar wirksamer, aber auch sie helfen nicht jedem: Rund 70 Prozent der Patienten können mit ihnen ein weitgehend normales, oft anfallsfreies Leben führen.

Der Wirkstoff in Lamictal heißt Lamotrigin. Er ist vollständig synthetisch und seit 1993 in Deutschland auf dem Markt. Lamotrigin gelangt mit einer Tablette über den Darm ins Blut, und mit diesem bis in das Gehirn. Dort beeinflusst der Wirkstoff einen bestimmten Teil der Nervenzellen: die Natriumkanäle in den Membranen. Diese Kanäle spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Weiterleitung von Erregung: Sind sie geöffnet, können Natrium-Ionen aus der Zell-Umgebung eindringen und die Zelle „elektrisch aufladen“. Je mehr Ionen einfließen, desto größer die Erregung – bei einem epileptischen Anfall fließen zugleich in vielen Zellen viele Ionen ein.

Lamotrigin blockiert nun die Natriumkanäle, so dass die Ionen nur noch teilweise in die abgedichteten Kanäle gelangen. Wie diese Blockade im Detail funktioniert, weiß man noch nicht. Klar ist aber, dass Lamotrigin so auch die Ausschüttung von Glutamat verhindert, einem Botenstoff, der zusätzlich Erregung auslöst. Die Übererregbarkeit der Zelle ist abgeschwächt oder gestoppt.

Eine Packung Lamictal (100 Milligramm) mit 50 Tabletten kostet 121,28 Euro. Andere Medikamente mit dem Wirkstoff Lamotrigin: zum Beispiel von Kwizda (59,40 Euro) oder Dexcel (53,59 Euro).

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