Berlin : So wirken Mittel gegen Kopfschmerzen

Björn Rosen

, laut dem Informationsdienstleister „IMS Health“ meistverkauftes rezeptfreies Kopfschmerz-Medikament in deutschen Apotheken.

Weil die Wissenschaft bis heute über die Entstehung von Kopfschmerzen rätselt, ist nicht genau geklärt, warum sie durch Aspirin gestoppt werden können. Fest steht, dass Acetylsalicylsäure (ASS), der Wirkstoff in den Aspirin-Tabletten, ein wahrer Alleskönner ist, der auch bei anderen Schmerzen und sogar bei Fieber und Entzündungen hilft.

ASS wird synthetisch erzeugt, stellt aber die Weiterentwicklung einer chemischen Verbindung aus der Natur dar. Salicylsäure steckt in vielen Pflanzen, zum Beispiel in der Weidenrinde, deren Extrakte schon seit Jahrhunderten als schmerzlindernd gelten. Den Wirkstoff ASS kennt man seit 1897. Aber erst 1971 kam ein britischer Pharmakologe seiner wichtigsten Wirkung im Körper auf die Spur: der Prostaglandine-Hemmung.

Prostaglandine sind körpereigene Botenstoffe, die bei der Entstehung aller Schmerzen eine wichtige Rolle spielen. Sie können in fast jeder Zelle hergestellt werden und „schalten Schmerzen ein“, indem sie Signale über die Nervenbahnen an das Gehirn senden. Das kann sinnvoll sein: Kopfschmerzen weisen uns darauf hin, dass der Körper ausgetrocknet ist oder stark unter Stress steht. Es gibt aber auch Kopfschmerzen, die scheinbar keine Funktion haben. Forscher glauben, dass das Gehirn in solchen Fällen Sinneswahrnehmungen nicht ausreichend filtert und Harmloses als Gefahr wahrnimmt. Offensichtlich kann Aspirin diesen Filter-Mechanismus verbessern. Wie, ist unklar.

Als sicher gilt, dass ASS die Prostaglandine-Herstellung stoppt. Über die Darmschleimhaut gelangt der Wirkstoff ins Blut und dann in alle Zellen des Körpers. Dort nimmt ASS Kurs auf ein Enzym, das den Namen Cyclooxygenase (COX) trägt und an der Entstehung der schmerzauslösenden Prostaglandine beteiligt ist.

Stark vereinfacht kann man sich das COX-Enzym wie ein Reagenzglas vorstellen: Es hat eine längliche Form und ist nur an einem Ende geöffnet. Damit Prostaglandine entstehen können, muss eine von der Zellwand freigesetzte Säure tief in dieses „Reagenzglas“ eindringen. Genau das verhindert ASS. Der Aspirin-Wirkstoff spaltet sich in zwei Teile: Es entstehen Salicylsäure und ein Acetylrest. Der Acetylrest bindet sich ans Enzym und blockiert so dessen Zugang – wie ein ins Reagenzglas gesteckter Pfropf. Folge: die Bildung schmerzauslösender Prostaglandine ist gestoppt. Eine ähnliche Wirkung entfaltet die Salicylsäure.

Aspirin ist frei verkäuflich. 20 Tabletten kosten 4,30 Euro. Andere Medikamente mit Acetylsalicylsäure: ASS-ratiopharm (30 Tabletten für 2,10 Euro) oder ASS Stada (30 Tabletten für 1,95 Euro).

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