Berlin : So wirken Mittel gegen Malaria

Björn Rosen

Das Beispiel: Malarone, laut Marktforscher IMS meistverkauftes Präparat.

Malaria ist eine tropische Infektionskrankheit, die bis zum Tod führen kann. Bisher gibt es keine Impfung gegen sie, dafür aber Medikamente wie Malarone, die sowohl prophylaktisch als auch bei einer ausgebrochenen Erkrankung helfen. Malaria wird von mikroskopisch kleinen, einzelligen Parasiten ausgelöst, die durch Stechmücken von Lebewesen zu Lebewesen gelangen. Der gefährlichste Malaria-Typ ist die Malaria tropica. Ihr Erreger heißt Plasmodium falciparum – ihn bekämpfen und stoppen die Wirkstoffe in Malarone.

Wer in Regionen mit hoher Infektionsgefahr reist, zum Beispiel nach Westafrika, sollte täglich vorbeugend eine Malarone-Tablette einnehmen: das erste Mal ein bis zwei Tage vor der Abreise, das letzte Mal sieben Tage nach der Rückkehr. Die Malaria-Erreger greifen im Körper zuerst die Leberzellen an – und gleich dort werden sie von Atovaquon und Proguanil, den Wirkstoffen in Malarone, abgefangen und an der Vermehrung gehindert. Trotz solch einer Malaria-Prophylaxe bleibt aber ein Restrisiko.

Beide Wirkstoffe in Malarone sind rein synthetisch und greifen in den Stoffwechsel der Malaria-Erreger ein. Atovaquon legt die Mitochondrien, die „Kraftwerke“, der Eindringlinge lahm, indem es einen notwendigen Katalysator, den so genannten Cytochrom-bc1-Komplex, blockiert und den zur Energiegewinnung nötigen Elektronentransport unterbricht. Dadurch können bestimmte Stoffe, die die Plasmodien brauchen, um sich zu erweitern und sich schließlich zu teilen, nicht mehr hergestellt werden. Atovaquon kappt sozusagen die Stromzufuhr der Erreger. Sie sterben am Ende. Der zweite Malarone-Wirkstoff, Proguanil, mischt sich in die DNS-Synthese ein: Für die Reproduktion ihres Erbguts müssen die Erreger Folsäure bilden. Die Säure kann nicht entstehen, wenn ein Enzym fehlt. Proguanil kann dieses Enzym hemmen.

Malarone gibt es erst seit den 90er-Jahren. Zuvor war lange ein anderes Malaria-Medikament führend: Lariam, gegen das sich aber in Teilen der Welt Resistenzen gebildet haben. „Außerdem kann Lariam als Nebenwirkung Depressionen auslösen. Deshalb greifen viele Leute eher zu Malarone, das höchstens zu Kopfschmerzen oder Durchfall führt“, sagt Inge Waase vom Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf.

Malarone ist rezeptpflichtig. Zwölf Tabletten kosten 55,87 Euro (acht Tabletten Lariam gibt es für 54,23 Euro).

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