Berlin : So wirken Mittel gegen Störungen der Durchblutung

Björn Rosen

Beispiel: Kollateral forte, laut Medizindienstleister IMS unter den meistverkauften Präparaten seiner Art

Durchblutungsstörungen werden zunehmend zum Problem in den Industrienationen, weil die oftmals fette und falsche Ernährung zu Kalk- und Fettablagerungen in den Arterien führt. Neben einer Behandlung der Symptome helfen Medikamente wie Kollateral forte.

Wenn ein Gefäß verstopft ist, können sich in der Umgebung kleinere Gefäße ausbilden, durch die das Blut am Hindernis wie auf einer Umleitung vorbeifließen kann. Die Wirkung dieser Kollateralgefäße wird durch das Medikament besonders stark unterstützt.

Ausgangssubstanz für Kollateral forte ist Papaverin, ein natürlicher Stoff, den man aus Schlafmohn gewinnt. Er wird im Labor um eine Molekülkette ergänzt – die entstandene, besser verträgliche und wirksamere Verbindung heißt Moxaverin. Sie ist seit rund 40 Jahren auf dem Markt. Zwei bis drei Tabletten Kollateral forte, die jeweils 150 Milligramm Moxaverin enthalten, nimmt man für eine optimale Wirkung täglich, am besten nach den Mahlzeiten.

Mit der Nahrung gelangt der Wirkstoff in den Magen, wird dort und vor allem später im Darm vom Körper aufgenommen. Schon im Blut entfaltet Moxaverin seine Wirkung – die im Detail bisher kaum erforscht ist. Die roten Blutkörperchen werden unter Einfluss des Wirkstoffs offenbar flexibler, sozusagen „weicher“. Dadurch verbessert sich die Fließfähigkeit des Blutes: Die recht großen Blutkörperchen gelangen nun besser durch die Blutbahnen, selbst durch kleine Kapillaren. Auch auf die Blutplättchen hat Moxaverin einen Effekt. Die Plättchen neigen dazu, sich zusammenzuballen und Gerinnsel zu bilden. Moxaverin heftet sich an ihre Oberfläche – und verändert so deren Struktur, so dass die einzelnen Plättchen nicht mehr aneinanderpassen.

Seine wichtigere Wirkung verrichtet der Stoff aus Kollateral forte aber direkt an den verengten Gefäßen. Alle Gefäße im menschlichen Körper können sich, unter Einfluss körpereigener Botenstoffe, weitstellen und wieder zusammenziehen. Moxaverin verhindert nun, dass ein bestimmter Stoff, der die Gefäße engerstellt, gebildet wird: Es haftet sich an das Enzym Phosphodiesterase, ohne das dieser Stoff nicht entsteht, und blockiert es. Dadurch bleiben die Gefäße weit oder sie weiten sich; das gilt insbesondere für die Kollateralgefäße. Das Blut kann nun schneller fließen, die Durchblutung verbessert sich. Kollateral forte wirkt besonders in den Beinen, kann aber auch bei Durchblutungsstörungen im Herzen oder im Gehirn verwendet werden. Es gibt zurzeit sogar Tests, in denen das Mittel Tinnitus-Patienten verabreicht wird: Eine bessere Durchblutung des Innenohrs soll deren Beschwerden lindern.

Kollateral forte sollte nicht bei akuten Magenblutungen eingenommen werden, das Medikament könnte sie verstärken.

Kollateral forte (50 Stück) kostet etwa 18 Euro. Alternativen: Certonal (100 Dragees, um 30 Euro), Kaveri (120 Tabletten, um 68 Euro) oder Roekan Plus (60 Stück, um 27 Euro)

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar