Berlin : So wirkt Baldrian

Björn Rosen

Beispiel: Baldriparan, laut Marktforscher IMS meistverkauftes Präparat seiner Art.

Einige Studien liefern Hinweise, dass der Extrakt aus der Baldrianpflanze tatsächlich helfen kann, besser einzuschlafen. Man weiß aber bis heute nicht genau, woran das liegt.

Es gibt über 200 Arten der Baldrianpflanze, die als Kräuter, Sträucher oder Lianen wachsen. In der Pharmazie verwendet man den Gemeinen Baldrian. Verarbeitet werden die Wurzeln. Den getrockneten Extrakt presst man schließlich zu Tabletten. In jedem Baldriparan-Dragee stecken am Ende der Herstellung noch durchschnittlich 2,96 Gramm Baldrianwurzel. Ihre Wirkstoffe gelangen über die Darmschleimhaut ins Blut und mit diesem bis in das Gehirn.

Baldrian enthält mehr als 150 Einzelstoffe, die wahrscheinlich nur im Zusammenspiel eine spürbare Wirkung entfalten. Wichtig scheint vor allem die Valerensäure, ein Abbauprodukt der Baldrian-Bitterstoffe. 2004 haben Wissenschaftler der Universität Bonn außerdem eine andere Substanz im Baldrian entdeckt, die die Wirkung der Pflanze vielleicht erklären kann. Die Substanz gehört zur Gruppe der Lignane: Das sind Pflanzenstoffe, die im Baldrian vielfach enthalten sind.

Im Gehirn wirken verschiedene körpereigene Müdemacher. Einer davon ist Adenosin. Wenn viele dieser Moleküle an bestimmte Rezeptoren der Nervenzellen binden, setzen sie eine Kettenreaktion in Gang, an deren Ende man schläfrig wird. Auf den Nerven werden sozusagen millionenfach kleine Hebel umgelegt, die die Müdigkeit einschalten. Koffein ist übrigens eine Art Adenosin-Gegenspieler, er dockt an die gleichen Rezeptoren an, blockiert sie und verhindert so Schläfrigkeit. Ein Lignan, wie es im Baldrian vorkommt, scheint die gleiche Wirkung wie Adenosin zu haben.

Baldriparan stark für die Nacht (90 Dragees) kostet um 20 Euro. Ähnlich: Baldrian Ratiopharm (100 Dragees, rund 10 Euro), Baldrian Dispert Nacht (etwa 12 Euro für 50 Tabletten) oder Sedonium (50 Dragees, rund 10 Euro).

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