Berlin : So wirkt Chemotherapie

Björn Rosen

Unter Chemotherapie versteht man die Behandlung bösartiger Krebs-Geschwulste mit Hilfe chemischer Stoffe. Bei einer Krebserkrankung wuchern Zellen mit defekter genetischer Information. Ein Programm ihrer DNS, das eigentlich die Selbstzerstörung einleiten müsste, funktioniert nicht richtig. Eine Chemotherapie soll die Krebszellen zerstören.

Die ersten Ansätze gab es schon in den 1950er-Jahren. Bis heute hat die Behandlung aber starke Nebenwirkungen: Die verabreichten Stoffe sind giftig und töten auch gesunde Zellen. Die Leistung eines Mediziners besteht vor allem darin, die Krebstherapie genau auf den Patienten abzustimmen. Eine zu niedrige Dosierung kann wirkungslos bleiben, eine zu hohe gefährliche Konsequenzen haben.

Chemotherapien laufen in Zyklen ab: Einen oder wenige Tage lang werden dem Patienten regelmäßig Medikamente gegeben, danach folgen etwa drei bis vier Wochen der Erholung. Vier bis sechs solcher Zyklen gibt es normalerweise. Die meisten Patienten sind nur während der Behandlungstage im Krankenhaus.

Die Medikamente, die in der Chemotherapie eingesetzt werden, heißen Zytostatika. Derzeit gibt es etwa 50 verschiedene, die ganz unterschiedlich wirken. Ein häufig verwendetes Mittel ist Taxol. Sein Wirkstoff heißt Paclitaxel. Viele Substanzen der Chemotherapie wurden in der Natur entdeckt, Paclitaxel beispielsweise in der Eibe. Taxol wird den Patienten in die Vene gespritzt. Mit dem Blut gelangt sein Wirkstoff in die Zellen und blockiert dort die Mikrotubuli, die für die Teilung einer Zelle, also ihre Vermehrung, unersetzlich sind. Das Paclitaxel klebt die Mikrotubuli quasi aneinander und legt sie so lahm. Die Zelle bleibt mitten in der Teilung stecken und stirbt schließlich. Zurzeit forscht man sehr intensiv an Medikamenten, die die molekularen Ursachen für die Geschwulstbildung bekämpfen und wesentlich besser verträglich sind.

Gegen manche Geschwülste hilft aber auch eine Chemotherapie nicht allein. Oft wird die Behandlung durch eine Bestrahlung mit harten Röntgenstrahlen ergänzt, die gezielt kleine Zellnester zerstören können, oder die Ärzte schneiden erkranktes Gewebe heraus.

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