Berlin : So wirkt die Immuntherapie gegen Allergien

Björn Rosen

Das nachhaltigste Mittel gegen Heuschnupfen und andere Allergien hat mehrere Namen: Spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung. Manchmal fällt auch der Begriff Allergie-Impfung – der sei aber nicht ganz zutreffend, findet Jörg Kleine-Tebbe, Allergologe am Allergie-Zentrum Westend in Berlin: „Impfung beinhaltet, dass der Arzt einen Stoff verabreicht, um eine verstärkte Antwort des Immunsystems auszulösen. Die Hyposensibilisierung zielt aber auf das Gegenteil: Die Antwort des Immunsystems soll abgeschwächt werden.“ Denn Allergien sind Überreaktionen unserer Abwehrkräfte, die sich mit aller Macht gegen Eindringlinge stemmen, die gar keine Gefahr darstellen, zum Beispiel Pflanzenpollen. Eine Immuntherapie konfrontiert den Körper deshalb immer wieder mit den Fremdkörpern – bis er sich an sie gewöhnt hat.

Patienten bekommen während der Therapie wiederholt eine Lösung in steigender Dosis unter die Haut gespritzt. Darin sind genau die Stoffe, auf die der Patient allergisch reagiert: Allergene. Eiweiße also, die von Pollen, Hausstaubmilben oder Schimmelpilzsporen stammen. Anfänglich reagiert der Körper auf sie noch so, wie er es gewohnt ist: T-Zellen, die zentralen Wächter des Immunsystems, haben die Proteine schon beim ersten Kontakt als Bedrohung „abgespeichert“ – nun geben sie den Befehl zur Produktion von Abwehrstoffen. Die sorgen wiederum dafür, dass Botenstoffe ausgeschüttet werden, die für die allergischen Symptome verantwortlich sind.

Der Gewöhnungseffekt durch eine Hyposensibilisierung ist auf regulatorische T-Zellen zurückzuführen, die der Körper bei einer Immuntherapie verstärkt produziert. Im Gegensatz zu anderen T-Zellen sind sie zur Bildung von Botenstoffen in der Lage, die eine allergische Immunantwort abmildern.

Die Immuntherapie ist eine zuverlässige Methode, Allergien abzuschwächen. Weil sie aufwendig ist, ist sie aber eher unpopulär, obwohl die Kassen voll zahlen. Sie dauert mindestens drei Jahre, anfangs muss der Patient alle sieben Tage zum Arzt. Nach jeder Injektion muss er 30 Minuten in ärztlicher Beobachtung bleiben, weil starke allergische Reaktionen auftreten können. Allerdings hilft sie nur gegen die ausgewählten Allergene. Bei mehreren Allergien sind manchmal zwei Behandlungen nötig. Eine in Südeuropa populäre Alternative ist die sublinguale Immuntherapie, bei der die Allergene erst unter der Zunge gehalten, dann geschluckt werden. Manche Allergologen sind da aber skeptisch.

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