Berlin : So wirkt Licht

Björn Rosen

Licht hat erheblich positive Auswirkungen auf den Körper. Zu dieser Jahreszeit spürt fast jeder, dass die helle Frühlingssonne die Stimmung heben kann. „Wir sind tagaktive Wesen“, sagt Professor Till Roenneberg von der Universität München, ein Experte für Chronobiologie. „Wenn es hell ist, haben wir mehr Energie. Wenn es dunkel wird, lässt unsere Aktivität nach.“ Der Körper steuert das mit Botenstoffen, vor allem durch Serotonin, das die Stimmung hebt, und durch Melatonin, das nachts ausgeschüttet wird und Müdigkeit auslöst.

Ob es hell oder dunkel, Mittag oder Abend, ob ein Tag lang oder kurz ist, registriert die präzise und sehr komplexe „innere Uhr“ des Menschen. Sie befindet sich im Hypothalamus, einem Teil des Zwischenhirns. Gestellt wird die innere Uhr durch die Lichtmenge, die in das Auge fällt. „Es gibt dafür spezielle Rezeptoren, die ihre Informationen in Richtung Hypothalamus weiterleiten“, sagt Roenneberg. „Die innere Uhr selbst besteht aus 20 000 Neuronen und regelt den Tagesablauf für den gesamten Körper.“ Sie ist auch verantwortlich für die Ausschüttung der stimmungsaufhellenden oder müde machenden Botenstoffe.

Wenn die Tage kürzer und dunkler sind, produziert der Körper deshalb mehr Melatonin und weniger Serotonin. Viele Menschen leiden dann an der „Saisonal Affective Disorder“ (SAD): an Tagesschläfrigkeit, Antriebslosigkeit oder Heißhunger auf Kohlenhydrate. „Drei Prozent der Bevölkerung sind sogar behandlungsbedürftig“, sagt Dieter Kunz, Chronobiologe an der Charité in Berlin. Helfen kann die Lichttherapie mit 10 000-Lux-Lampen. Besonders im Frühling und Sommer kann man seine Laune aber auch ohne Technik oder Medikamente heben – ganz natürlich, im Freien.

„An einem bedeckten Tag strahlt die Sonne mit etwa 10 000 bis 15 000 Lux, an einem wolkenlosen Tag mit 70 000 oder sogar 100 000 Lux“, sagt Kunz. Menschen, die lange im Büro arbeiten müssen, profitieren aber kaum davon: In Räumen bekommt das menschliche Auge gerade mal 200, maximal 400 Lux ab. Bürobeleuchtung hilft da nicht, denn die innere Uhr wird vom blauen Bereich des Lichts beeinflusst, den herkömmliche Lampen nicht aufweisen. Nützlich kann aber der Blick aus dem Fenster sein. Der Münchner Biologe Roenneberg ist sogar überzeugt: „Das Gehirn sucht Licht. Was machen Sie zum Beispiel, wenn Sie nichts zu tun haben? Sie schauen ziellos aus dem Fenster.“

In Berlin findet am 11. Mai eine Tagung zum Thema statt: „Ein Leben zwischen den Uhren – die innere Uhr in Biologie und Medizin“. Sie ist offen für alle Interessierten. Konrad-Adenauer-Stiftung, Tiergartenstraße 35. Anmeldung per Fax: 06203/109 25.

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