Berlin : So wirkt Trost

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Normalerweise steht an dieser Stelle eine Kolumne, in der wir die Wirkweise eines Medikaments erklären. Zur Schwerpunktseite über das Sterben widmen wir uns einer anderen Art von Arznei, der wichtigsten in solchen Fällen, wie Experten sagen: der Sterbebegleitung. Die Fragen stellte Adelheid MüllerLissner.

Herr Müller-Busch, Sie sind Palliativmediziner. Ihr Spezialgebiet ist die Betreuung Sterbenskranker und sterbender Menschen. Was bleibt den Ärzten in dieser Phase des Lebens noch zu tun?

Palliativmedizin ist bei großen Teilen der Bevölkerung immer noch sehr negativ besetzt, man verbindet damit Vorstellungen von Aussichtslosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Unser Anliegen ist aber gerade eine Verbesserung, das Leben soll bis zuletzt sinnvoll und lebenswert sein. Behandlung hört ja nicht auf, wenn es keine Heilung mehr gibt. Im Sterbeprozess geht es darum, dass Menschen keine Angst haben müssen zu ersticken, dass sie nicht unter Schmerzen sterben.

Wie können Sie also helfen?

Die Behandlung von Schmerzen mit Opiaten spielt eine ganz zentrale Rolle. Wir können bei Atemnot Sauerstoff geben, manchmal müssen belastende Wassereinlagerungen beseitigt werden. Ganz wichtig ist die Pflege: das Lagern, die Versorgung von Wunden, das Befeuchten der Lippen. Es kann auch nötig sein, die Angst mit Medikamenten und psychosozialer Begleitung zu mindern.

Können Sie sich auch um die kümmern, die zurückbleiben?

Der Prozess des Abschiednehmens beginnt schon vor dem eigentlichen Tod, und es ist sogar eine wesentliche Aufgabe der Palliativmedizin, den Angehörigen dabei Hilfen zu geben. Unser Name leitet sich schließlich vom lateinischen „pallium“, der Mantel, her. Angehörige erleben das Sterben aber natürlich anders als der Sterbende selbst. Aber wir wissen noch viel zu wenig darüber, was ein Sterbender erlebt, auch was das Leiden anbelangt. Röcheln oder Stöhnen sind Anzeichen dafür, sie können vielleicht aber auch Ausdruck eines Kampfes sein, der bei manchen zu diesem Prozess gehört.

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