Berlin : Sogar aus Funkwagen kann Raser der Blitz treffen

Die Polizei macht jetzt auch Fotos von Verkehrssündern aus ganz normalen Streifenwagen – um Temposünder stärker abzuschrecken

Jörn Hasselmann

Vorbei sind die Zeiten, in denen Autofahrer Ausschau hielten nach auffällig-unauffälligen Zivilstreifen am Straßenrand – und fröhlich an den „normalen“ Polizeiautos vorbeirasten. Ab sofort blitzt die Polizei auch aus grün-weißen Funkstreifen. Denn dies galt seit Jahrzehnten mit absoluter Gewissheit: Aus einem grün-weißen Polizeiauto oder in dessen Nähe wird nicht geblitzt.

Die Idee, dieses zu ändern, hatte ein einzelner Abschnittsleiter: „Die Funkstreife wird nicht mehr für voll genommen“, lautete die Erkenntnis von Polizeidirektor Frank Brinker vom Abschnitt 21. Gemeinsam mit Kommissar André Rensch entwickelte Brinker die naheliegende Idee. Seit einigen Tagen wird in Spandau erstmals in der Nähe einer grün-silbernen BMW-Funkstreife geblitzt. „Das war eine spontane Idee von uns“, sagt Rensch. In den nächsten Tagen soll der Einsatz des Blitzers neben der BMW-Funkstreife verstärkt werden, kündigte Rensch an.

Die in dieser Woche Ertappten waren völlig überrascht. „Oh“, hieß es von den gestoppten Sündern, oder „das hab ich ja noch nie erlebt“. Allen Rasern konnten die Beamten ruhig sagen: „Sie haben uns doch gesehen.“ In Zukunft sollen auch Mannschaftswagen oder VW-Busse eingesetzt werden, also alles, was bei der Polizei ein Blaulicht hat. Das sind in Berlin 1450 Wagen.

Hintergrund ist natürlich: Autofahrer sollen künftig immer vom Gas gehen, wenn sie eines dieser 1450 grün-weißen Autos sehen. Denn die Beamten in den Zivil-Blitzern erleben es jeden Tag: Abrupt wird auf die Bremse getreten, wenn ein Radiosender einen Standort enttarnt hat. Auch diverse Internet-Seiten wie www.radarfalle.de versuchen, Blitzer ausfindig zu machen und die Standorte zu veröffentlichen. Künftig ist das sinnlos – denn in jedem Polizeiauto kann der rote Blitz aufleuchten. Damit könnte auch das Wort Radar-„Falle“ sterben. Denn viele Autofahrer fühlen sich „abgezockt“, weil die Polizei ihr Geschwindigkeitsmessgerät versteckt oder getarnt hat.

An die Spandauer Blitz-Idee hat sich schon jetzt der Schöneberger Polizeiabschnitt 42 angeschlossen. André Rensch hält es für wahrscheinlich, dass die Idee über kurz oder lang auf ganz Berlin ausgedehnt wird. Denn Vorteile gibt es auf beiden Seiten: Wer nur wenig schneller als erlaubt fährt, kann noch schnell bremsen. Und die Polizei (und die Verkehrssicherheit) profitieren, wenn durch den Versuch die Geschwindigkeit insgesamt in der Stadt gebremst wird. Denn zu hohes Tempo ist in Berlin nach wie vor eine der häufigsten Unfallursachen.

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