Berlin : Sogar inhaliert

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber nimmt Politikergeständnisse zur Kenntnis

Es ist nicht immer ganz leicht, sich gestandene Oppositionsführer als junge Männer vorzustellen. Manchmal helfen sie uns dabei durch Geschichten aus der Jugend. Volker Ratzmann, grüner Oppositionsführer, und sein Kollege von der FDP, Martin Lindner, haben nun der „taz“ Kiffererfahrungen von früher enthüllt. Der Jurist Ratzmann, 43, gab sogar zu, „inhaliert zu haben“, ergänzte aber gleich in aller Vorsicht, „dass ich im nicht verjährten Zeitraum nicht mehr gekifft habe“. Lindner ist auch Jurist, vor allem aber PolitHaudegen. Verjährung interessiert ihn nicht. „Ich bin zwar nicht in der Lage, einen Joint zu bauen, aber ein paarmal habe ich schon gekifft.“

Das Doppelgeständnis über Oppositionsbänke dient keineswegs der Eigenwerbung der beiden Oppositionspolitiker. Sie werden wissen, dass Drogenbekenntnisse keinen mehr schocken. Ob es überhaupt einen Politiker unter 50 gibt, der noch nicht gekifft oder mindestens ein Cannabisplätzchen vertilgt hat? Bill Clinton hat fast alle Tabus gebrochen. Gerhard Schröder legalisierte den öffentlichen Bierkonsum am hellen Tag. Längst geht es darum, Cannabis neben Alkohol zur Rechtssicherheit als Alltagsdroge zu verhelfen. Ratzmann verknüpft in der „taz“ die Cannabis-Debatte mit der Gesundheitsreform und schlägt vor, Cannabis über die Apotheken zu vertreiben. Lindner hält mehr vom Coffeeshop-Modell der Niederländer.

In einer so verrauchten Atmosphäre, bei so viel Permissivität bleibt der CDU nur eine Position: Kiffer sollen kiffen – aber frei nach Hemingway erst nach Sonnenuntergang.

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