Berlin : Sohn der toten Malerin muss in Haft

23-Jähriger hat bisher kein Geständnis abgelegt

Tanja Buntrock

Gegen den Sohn der am Montag erschossen aufgefundenen Künstlerin Beate Kicherer wurde gestern Haftbefehl wegen Totsschlags erlassen. Dies bestätigte Justizsprecher Michael Grunwald. „Die Untersuchung auf Schmauchspuren an seinen Händen dauert noch an. Es gibt aber andere Indizien dafür, dass der Sohn dringend tatverdächtig ist“, sagte Grunwald. Die Vernehmung des 23-jährigen Sohnes der Malerin sei abgeschlossen, ein Tatgeständnis habe er bisher nicht abgelegt.

Beate Kicherer starb, wie berichtet, am Montagmorgen in ihrer Wohnung in der Charlottenburger Schloßstraße an einem Schuss in den Kopf, der aus nächster Nähe abgegeben wurde. Kurz nach neun Uhr war bei der Feuerwehr der Notruf, den ihr 23-jähriger Sohn selbst gewählt hatte, eingegangen. Alle Wiederbelebungsversuche des Notarztes waren vergebens. Die Polizei nahm den Sohn der Künstlerin danach vorläufig fest. Anwohner bestätigten, er habe, als er zum Polizeiwagen geführt wurde, immer wieder gerufen, er sei unschuldig. Laut Staatsanwaltschaft verfügt der Sohn der Toten über eine Waffenbesitzkarte. Der Ökologie-Student trainiert seit Jahren im Sportschützenverein und ist zudem Hobby-Jäger. Noch am 31. Juli dieses Jahres war er für den Polizeisportverein (PSV) als Teilnehmer für den „Präsidenten-Cup“ – ein Großkaliber-Pokalschießen – gemeldet. Nach Tagesspiegel-Informationen soll der Schuss, der Beate Kicherer getötet hat, aus einer Pistole der Marke „Heckler & Koch“ abgefeuert worden sein.

Freunde und Bekannte der Familie Kicherer schilderten das Verhältnis von Mutter und Sohn als besonders liebevoll und beschrieben den 23-Jährigen als besonnenen, freundlichen jungen Mann. Am Morgen der Tat wollen Nachbarn einen Streit zwischen den beiden gehört haben, in dessen Folge der Schuss gefallen sein soll. Der Sohn hatte, als er den Notdienst alarmierte, gesagt, seine Mutter habe Selbstmord begangen.

Beate Kicherer hat sich mit ihren Caféhaus- und Hurenbildern über die Grenzen Berlins hinaus einen Namen gemacht. Ihre Werke finden sich in Sammlungen unter anderem in Amsterdam, Berlin, Hamburg und Stuttgart.

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