Berlin : Soiree der Patrioten

Stimmung statt Verstimmung: Werkstatt Deutschland lud ins Adlon

NAME

„Es war ein schöner Tag.“ So oft hat man diesen Satz selten gehört wie am späten Abend dieses 3. Oktober, der mit einer festlichen Soiree der „Werkstatt Deutschland“ im Hotel Adlon ausklingt. Selbst Bill Clinton ist sichtlich bewegt über den herzlichen Empfang der Berliner am Brandenburger Tor. Erleichtert sind vor allem die Politiker und Organisatoren, die „Werkstatt“-Spitzen Klaus Riebschläger, Lothar de Maizière und Marie- Luise Weinberger, dass nach langer aufregender Vorbereitung alles gut geklappt hat. Sogar die Opposition spendiert Lob. „Das war heute ein guter Regierender Bürgermeister“, verkündet der FDP-Fraktionschef Martin Lindner. Klaus Wowereit strahlt.

Im Ballsaal des Adlon trifft sich die Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Publizistik in euro-amerikanischer Atmosphäre. Ulrich Wickert moderiert, Peter Struck und Wolfgang Schäuble geben dem früheren amerikanischen Präsidenten die Ehre, die Fernsehgrößen Hauser und Kienzle sind da, Sabine Christiansen und Maybritt Illner, der Herzchirurg Roland Hetzer. Wowereit hat seinen Freund mitgebracht, den Neurologen Jörn Kubicki.

„O happy day“, singt die schwarze Sopranistin Brenda Jackson. Clinton lächelt; sie hatte zu seiner Amtseinführung vor dem Capitol in Washington gesungen. Sie trägt auch die britische , französische, russische, amerikanische und deutsche Nationalhymne vor. Da singen einige mit, wie Walter Momper und die frühere Europa-Abgeordnete Eva Quistorp (Grüne). „Das artet ja in eine patriotische Veranstaltung aus“, scherzt einer.

Struck und Clinton halten Ansprachen über die Reißfestigkeit des deutsch-amerikanischen Verhältnisses ungeachtet derzeitiger Verstimmungen wegen der Irak-Frage. „Gäbe es keine Meinungsverschiedenheiten, hieße es, dass einer nicht denkt“, meint Clinton mit der Gelassenheit eines Privatmannes, den das mächtigste Amt der Welt nicht mehr drückt. Er redet locker und witzig, die Gäste schmunzeln öfter hörbar. Der Bundesverteidigungsminister Struck ist gerne für den verhinderten Kollegen, Außenminister Joschka Fischer, eingesprungen.

Plaudernd geht Clinton von Stehtisch zu Stehtisch. Mit Hi und Hallo auf den Lippen schüttelt er viele Hände. Er wollte kein Dinner, sondern mit möglichst vielen Gästen reden. Auf Tellerchen werden winzige Leckereien serviert – Chartreuse von Hummer und Seezunge, Safran-Fenchel-Salat, zarte Kalbsfilets mit Schwarzwurzelrahm, getrüffeltes Kartoffelpüree, kunstvolle Desserts.

Klaus Wowereit hat rasch noch einen Empfang gegenüber in der Dresdner Bank für die Stiftung Denkmalschutz und die Sponsoren der Feier und der Tor-Restaurierung gegeben. Lothar de Maizière erzählt, dass dabei die Versteigerung eines Steins vom Brandenburger Tor 2800 Euro eingebracht hat. Einen anderen von 1000 verwitterten Steinen, die ausgewechselt wurden, bekam Clinton geschenkt. Diese Steine stammen übrigens erst von der Sanierung 1957.

Auch „Werkstatt Deutschland“ und Frau Weinberger, die den Clinton-Besuch in Berlin eingefädelt hat, erhalten Komplimente für die „gelungene Privatinitiative“ – vom Senatskanzleichef André Schmitz. Senatssprecher Michael Donnermeyer findet den Tag so gelungen, dass er davon träumt, das zentrale Fest alle Jahre in Berlin zu feiern. Doch er weiß: „Das wird wohl am Föderalismus scheitern.“ Brigitte Grunert

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben