Berlin : Solar Energy 2001: Bewag-Anlage in Treptow läuft gut

Heiko Schwarzburger

Seit Juni des vergangenen Jahres läuft im Kraftwerk Treptow das "Europäische Brennstoffzellenprojekt", bei dem die Bewag eine große PEM-Brennstoffzelle mit 250 Kilowatt Leistung erprobt. Sie wird hauptsächlich mit Erdgas betrieben und hat bereits mehr als 2300 Betriebsstunden hinter sich. "Die Technik läuft sehr zufriedenstellend", bestätigt Bewag-Projektleiter Martin Pokojski. "Bis auf Störungen einiger kleiner Pumpen und anderer peripherer Bauteile hatten wir bislang keine Probleme." Bis zum Sommer wollen die Bewag-Ingenieure das futuristische Kraftpaket ausmessen.

Der Hersteller, die kanadische Firma Ballard, will die Ergebnisse anschließend in die Serien kommerzieller Brennstoffzellen einfließen lassen. Am Projekt beteiligt ist auch der Alstom-Konzern, der die Anlage einschließlich einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Kraftwerkes und eines Elektrolyseurs baute. Die Photovoltaik gewinnt aus der Sonne rund zehn Kilowatt elektrische Leistung. Diesen Strom nutzt der Elektrolyseur, um Wasserstoff aus Wasser zu abzuspalten. Und Wasserstoff dient der Brennstoffzelle schließlich als eigentlicher Energieträger. Die gesamte Versuchsanlage kostet rund 7,5 Millionen Mark. 40 Prozent davon steuerte Brüssel bei.

Brennstoffzellen werden in den nächsten Jahren vor allem in der dezentralen Energieversorgung eine herausragende Rolle übernehmen. Auch für Automobile sind sie im Gespräch. BMW nutzt eine Brennstoffzelle mit fünf Kilowatt Leistung, um die Wasserstoffmotoren der Prototypen aus der 750er Baureihe zu starten und mit Hilfsenergie zu versorgen. DaimlerChrysler stellte kürzlich mit dem Prototypen Necar 4 eine Zellenanlage vor, die in die A-Klasse passt. Und vor Jahresfrist brachte Ballard eine Brennstoffzelle auf den Markt, die eine Leistung von 75 Kilowatt schafft. Das Modell Mark 900 wurde aus preiswerten Werkstoffen gefertigt und ist bereits für die Serienfertigung von Fahrzeugantrieben gedacht.

Die Bewag erprobt in Treptow hingegen eine stationäre Zelle, wie sie künftig in Krankenhäusern, Eigenheimen, Industrieanlagen oder Gewerbezentren laufen könnte. Um das Projekt möglichst vielen Interessenten nahe zu bringen, hat die Bewag an der Puschkinallee eigens einen Informationspark eingerichtet, der wochentags zwischen 10 und 18 Uhr sowie an den Wochenenden zwischen 13 und 17 Uhr geöffnet ist.

"Dieses Angebot wird von der Bevölkerung und von Fachpublikum sehr gut angenommen", erzählt Martin Pokojski. "Dort stehen auch Experten zur Verfügung, um Nachfragen zu beantworten." Sollte sich die Anlage weiterhin so gut bewähren, könnte sie bis 2005 in Treptow laufen.

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