Berlin : Solar Energy 2001: Europatreff der Sonnenanbeter

Heiko Schwarzburger

Noch so jung, aber schon eine feste Adresse: Die Industriemesse Solar Energy hat sich im vierten Jahr unbestritten zur europäischen Leitmesse für erneuerbare Energien entwickelt. Rund 300 Aussteller präsentieren zwischen dem 8. und dem 10. Juni in fünf Hallen unterm Funkturm neue Trends in der Photovoltaik, Solarthermie und Windenergienutzung. Breiten Raum nehmen Brennstoffzellen und Blockheizkraftwerke ein. Zahlreiche Aussteller zeigen auch intelligente Konzepte zur Nutzung von Biomasse, Wasserkraft und Erdwärme.

Doch nicht nur die Technik soll in diesem Jahr wieder rund 25 000 Besucher locken. Die Fachleute beraten über staatliche Förderprogramme, geben Finanzierungstipps und Informationen rund um die Ausbildung auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. Die Messe ist an allen drei Ausstellungstagen von 9 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 20 Mark, ermäßigt 12 Mark.

Begleitend zur Messe findet der Eurosolar-Kongress über erneuerbare Energien für Entwicklungsländer statt. Im Eurosolar-Verband sind zahlreiche europäische Hersteller von Energietechnik, Energieerzeuger und Umweltpolitiker vertreten. Gemeinsam mit anderen Verbänden und Organisationen will Eurosolar eine internationale Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) gründen, nach dem Vorbild der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA.

Der Kongress findet parallel zu allen drei Messetagen statt. Als Gast wird unter anderem Klaus Töpfer, Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen in Nairobi, erwartet. Er spricht über die Chancen der erneuerbaren Energien für das Weltklima. Sein Auftritt wird mit Spannung erwartet, denn die UNO hatte unlängst ihren erschreckenden Bericht zur Klimaerwärmung vorgelegt. Auch die deutsche Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Heidemarie Wieczorek-Zeul, wird an dem Kongress teilnehmen.

Am ersten Messetag steht zudem ein Architektenforum auf dem Programm, auf dem zahlreiche Experten über Solaranlagen für Eigenheime, Mietshäuser und Industriebauten referieren. Die Themen reichen vom Solarbalkon über den transparenten Sonnenschutz bis hin zur Kostenermittlung bei der Mehrfachnutzung der physikalischen Eigenschaften von Photovoltaikfassaden. Eine spezielle Veranstaltung widmet sich der Finanzierung und Förderung von Solaranlagen, hier wird mit großem Andrang durch private Häuslebauer gerechnet. Dabei werden nicht nur Vorträge gehalten, sondern zahlreiche Fachleute stehen auch für Einzelgespräche zur Verfügung.

Am zweiten Messetag informieren der Bundesverband Solarenergie (BSE) und der Solarenergieförderverein Bayern über thermische Solaranlagen und Photovoltaik. Mit solarthermischen Anlagen lässt sich Warmwasser erzeugen und die Heizung unterstützen. Auf diesem Sektor werden Zuwachsraten von jährlich 25 Prozent prognostiziert. Dadurch könnten bundesweit bis 2010 rund sieben Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger in die Atmosphäre gelangen als mit klassischen Heizöl-Brennkesseln.

Die Photovoltaik dient der Stromerzeugung, solche Anlagen passen gut auf das Dach oder in die Fassade. Außerdem zeigen die Hersteller von Wärmepumpen, welche Potenziale diese neue Technik bietet. Wärmepumpen benötigen weder Öl noch Gas, sie brauchen nur Strom für den Antrieb. Bis zu 75 Prozent ihrer Heizleistung beziehen sie aus kostenlosen Energien, der Ausstoß von Kohlendioxid liegt um 40 Prozent geringer als bei Ölheizungen.

Der dritte Messetag gehört den Dachdeckern, die ein eigenes Branchenforum veranstalten. Die Vorträge und Gespräche stehen jedoch auch interessierten Laien offen. Vom Schutzdach zum Nutzdach: Die Landesinnung der Berliner Dachdecker erwartet in den nächsten Jahren zweistellige Zuwachsraten bei Solar- oder Photovoltaikdächern. Die Handwerker, bisher auf Dachstühle, Ziegel, Pappe und Teer spezialisiert, sehen sich plötzlich mit Hochtechnologie konfrontiert.

Auf der Sonderveranstaltung Solar-Didacta schließlich stellen Hochschulen, Verbände und Hersteller neue Studiengänge, Ausbildungsangebote und Lehrmittel zu den erneuerbaren Energien vor. Ein wichtiges Thema ist dabei natürlich auch, die neuen Energiequellen in den naturwissenschaftlichen Unterricht an den Schulen einzubringen. Diese Veranstaltung richtet sich daher an Schüler, Studenten und Lehrer gleichermaßen.

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