Solaranlagen : Wohnungsunternehmer: Klimaschutzgesetz führt zu höheren Mieten

Das geplante Berliner Klimaschutzgesetz sieht vor, dass ein größerer Anteil der Heizenergie aus erneuerbaren Quellen kommen soll. Ein Wohnungsunternehmer-Verband warnt nun: Mit einer Solaranlage auf dem Dach steigen die Mieten.

Stefan Jacobs
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Warnfarben. Gebäudeheizungen sind die bei weitem größten Energieverbraucher in Deutschland. Das Infrarotbild zeigt, wie die Wärme...Foto: ddp/VPB

Man könnte ihn auch „Sprengstoff“ nennen: Der Lesestoff, den die Umweltverwaltung in den vergangenen Tagen erhalten hat, enthält teilweise dramatische Aussichten für die Entwicklung der Wohnkosten infolge des künftigen Berliner Klimaschutzgesetzes. Mehr als zwei Dutzend Verbände und Gruppen waren aufgefordert, sich zu dem Referentenentwurf zu äußern. Neben allgemeinen Anregungen ging auch ein Horrorszenario ein – erstellt und vorgerechnet vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), der etwa 40 Prozent der Berliner Wohnungsgesellschaften und Vermieter vertritt.

So hat der BBU die geplanten Vorschriften für die anteilige Nutzung erneuerbarer Heizenergie für ein typisches Berliner Mietshaus – Baujahr 1957, 30 Wohnungen, Gaszentralheizung – durchgerechnet. Ergebnis: Die Wohnkosten würden um 17 bis 23 Prozent steigen, wenn auf dem Gebäudedach eine Solarthermie-Anlage errichtet würde, die die im Gesetzentwurf genannten zehn Prozent zum Heizenergiebedarf beisteuert. Zwar würde laut BBU die Gasrechnung um 37 Cent pro Quadratmeter und Wohnung sinken, aber die Kosten für die teure Solaranlage würden dennoch über die Modernisierungsumlage mit 1,70 Euro auf die Warmmiete durchschlagen. Macht bei einer 60-Quadratmeter-Wohnung also gut 100 Euro mehr pro Monat.

„Vorhaben, die sich nicht rechnen“

Voraussetzung dafür wäre ohnehin, dass das Dach groß und stabil genug für die etwa 100 Quadratmeter große Solaranlage ist und sich nicht im Schatten anderer Gebäude oder Bäume befindet. Alles in allem, resümiert der BBU, überschätze die Verwaltung in dem Entwurf das Potenzial der erneuerbaren Energien in der Stadt erheblich. „Die Wohnungsunternehmen würden große Summen in Vorhaben investieren müssen, die sich unter dem Strich nicht rechnen.“ Auch Alternativen wie Erdwärme- und Holzheizungen wären in Berlin nur sehr beschränkt einsetzbar.

Als Alternative zu den vom Gesetz verlangten Großinvestitionen schlägt der BBU „geringinvestive Maßnahmen“ vor, also vor allem die Optimierung von Heizanlagen. Diese wären mit vier Cent pro gesparter Kilowattstunde Energie (gerechnet auf 20 Jahre) nur reichlich halb so teuer wie Komplettsanierungen.

Die Strategie: Umstellung und Verzicht

Der Umweltverband BUND hat ebenfalls eine Stellungnahme zum Gesetzentwurf abgegeben – und ist sich zumindest in einem Punkt mit dem BBU einig: Besser als jede erneuerbare Energie ist die, die gar nicht erst benötigt wird. BUND-Klimareferent Ulf Sieberg hält den bis 2020 reichenden Zeithorizont des Gesetzentwurfs für viel zu kurz und will das Thema „von hinten her denken“. Hinten ist in diesem Fall 2050, denn bis dahin müssen die CO2-Emissionen der Industriestaaten anerkanntermaßen um 80 bis 90 Prozent sinken. Das bedeutet nicht nur Umstellung, sondern auch Verzicht. Beim Berliner Gebäudebestand wäre aus Sicht des BUND nicht nur die komplette Dämmung aller Gebäude fällig, sondern auch die konsequente Nutzung erneuerbarer Energiequellen und die Abschaltung der konventionellen Kraftwerke. Die versorgen zurzeit immerhin ein Viertel der Berliner Wohnungen mit Fernwärme, die zwar effizient in Kraft- Wärme-Kopplung erzeugt wird, aber deshalb – vor allem mit Kohle als Brennstoff – keineswegs besonders klimafreundlich ist. Die im Gesetzentwurf genannte Option eines Anschlusszwangs ans Fernwärmenetz wäre für den BUND deshalb nur akzeptabel, wenn diese Wärme künftig aus erneuerbaren Quellen kommt.

Dass bei dem aktuellen Gesetzentwurf neben der FDP auch die Grünen auf die ihrer Meinung nach zu wenig bedachten finanziellen und sozialen Härten aufmerksam machen, zeigt das ganze Ausmaß der Problematik. „Wir werden uns die Stellungnahmen genau anschauen“, heißt es in der Umweltverwaltung vorerst nur. Die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt.

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