• Solarfahrzeuge: Echt null Emission - Eine Firma will die Berliner vom Fahren mit stromgetriebenen Rollern überzeugen

Berlin : Solarfahrzeuge: Echt null Emission - Eine Firma will die Berliner vom Fahren mit stromgetriebenen Rollern überzeugen

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Auf den ersten Blick wirken die Geschäftsräume von Mikrobility in der Joachimstraße wie ein stinknormales Moped- und Fahrradgeschäft. Keine Werbung weist auf das Besondere der Peugeot-Roller und Leichtmofas hin, die vor dem Haus parken. Erst wenn ein Interessent mit einem der Mobile davonfährt, werden Passanten stutzig. Kein Geknatter beleidigt die Ohren und auch die sonst übliche Abgaswolke fehlt. "Nullemission" heißt denn auch das Motto, dem sich Norman Heeg und sein Geschäftspartner Dag Schulze verpflichtet fühlen. Vom motorisierten Kickboard bis zum Roller fahren alle Zweiräder, die seit Juni des Jahres in Mitte verliehen oder verkauft werden, mit Strom.

Und der sollte möglichst ökologisch erzeugt sein. "Jedes Elektromobil wird beim Kauf bis zu 960 Mark billiger, wenn ein Vertrag mit dem Stromanbieter Naturenergie abgeschlossen wird", sagt der 34jährige Schulze. Das Konzept hat auch den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) begeistert, weshalb der den Verkauf und Verleih in der Stadt mit unterstützt.

Vorbilder für das Projekt gibt es in Deutschland bislang nicht, obwohl der Anteil an Zweirädern im Stadtverkehr nicht nur in Berlin stetig steigt. Auch in anderen Ländern verschmutzen die Zweitakter-Gefährten mit ihrem hohen Kohlenmonoxidausstoß die Luft der Innenstädte, weshalb etwa im schweizerischen Lausanne der Bürgermeister kürzlich 1000 Elektroscooter anschaffen ließ, um sie günstig an die Bürger weiterzuverkaufen. In Asien wiederum hat sich Taiwan als Vorreiter beim Vertrieb der Elektroscooter entwickelt. Dank staatlicher Subventionen fahren dort mittlerweile viele Elektroroller und werden dort auch produziert.

Der Energieverbrauch der leichten Kleinkrafträder ist selbst im Vergleich zu Elektroautos erstaunlich gering. Rund 60 Pfennig kostet eine Batterieaufladung an der heimischen Steckdose. Auf diese Weise amortisieren sich die relativ hohen Anschaffungskosten, ein Scooter kostet etwa knapp 6000 Mark, nach rund drei Jahren wieder. Mit einer Reichweite von rund 35 Kilometern sind die Elektromobile zwar nicht unbedingt für Fernfahrten geeignet, doch im Stadtverkehr bewähren sie sich um so mehr. "Laut Statistik liegen 50 Prozent aller Stadtfahrten unter fünf Kilometern", so Schulze. Diese Kurzstrecken sollen künftig, so die Zukunftsvision von Mikrobility, Scooter, Leichtmofas und Kickboards sauber und lautlos übernehmen.

Ins Auge fallen besonders die Leichtmofas, die aussehen wie große Roller mit einem Sitz. Sie dürfen ohne Helm gefahren werden, und ältere Menschen brauchen dafür nicht mal einen Führerschein. Die Kickboards wiederum dürften eher etwas für Großstadtpiraten oder Geschäftsleute sein, sind sie doch bislang nicht für öffentliches Straßenland zugelassen. "Wir weisen jeden, der sich eines leiht oder kauft darauf hin, dass er sich strafbar macht, wenn er damit auf der Straße fährt", so Schulze. Er sieht deshalb die Einsatzmöglichkeiten des motorisierten Kickboards eher auf Firmen- und Messegeländen. Das Modell "Solarsurfer" bringt es immerhin auf 20 Stundenkilometer und muss nach 15 Kilometern wieder neu aufgeladen werden.

Um das leidige Aufladen an der Steckdose so angenehm wie möglich zu gestalten verhandeln die Mikrobility-Geschäftsleute gerade mit dem Senat über die Installierung von Steckdosen an ausgewählten Straßenlaternen. "Die Leitungen liegen ja schon", gibt sich Schulze zuversichtlich. Ausserdem steht das Unternehmen mit der Firma Wall in Kontakt, die mit ihren solarbetriebenen Wartehallen ebenfalls Strom für die Elektroroller abspeisen könnte. Sogar ein Verleih in Kooperation mit Wall ist für Mikrobility in greifbare Nähe gerückt. An den Wartehäuschen stünden dann die Scooter bereit, um Stammkunden ähnlich wie bei Stattauto schnell von einem Ort zum anderen zu bringen. In seiner Imagebroschüre wirbt Wall schon damit.

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