Solarpark eröffnet : Lieberose nutzt die Kraft der Sonne

Der größte deutsche Solarpark ist eröffnet worden. Die Erlöse der Pächter sollen auch der Region helfen.

Claus-Dieter Steyer
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Zuversichtlich. Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck und Bundesbauminister Tiefensee (von li.) bei der Eröffnung. Foto: dpadpa-Zentralbild

LieberoseLieberose – Bei der Eröffnung des größten deutschen Solarparks bei Lieberose ist ein Mann im gelben Schutzanzug und mit Gasmaske gehörig aus dem Rahmen gefallen. Schließlich hatte er weder etwas mit der Produktion der Photovoltaik-Module, noch mit der Montage der dunkel glänzenden Platten auf der 160 Hektar großen Fläche zu tun. Und doch symbolisierte seine Anwesenheit inmitten der 300 festlich gekleideten Gäste den besonderen Wert dieses Sonnenkraftwerks. „Wir haben jetzt eine tickende Zeitbombe weniger im Land“, erklärte Brandenburgs Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) den ungewöhnlichen Auftritt. „Die in Ostdeutschland stationierte russische Armee hatte in der Lieberoser Heide ihr Zentrum für chemische Kampfstoffe, die sie bei ihrem Abzug 1992 massenhaft zurückließ.“ Ohne die Verpachtung der Flächen an die Solarparkbetreiber hätte niemand die Chemie-Spezialisten für die Räumung des Übungsplatzes bezahlen können.

20 Jahre lang wird der Solarpark nun Strom liefern – und damit auch Geld für die weitere Munitionsberäumung. Schon jetzt konnten dank des Geldes der Unternehmen „Juwi“ aus Rheinland-Pfalz und „First Solar“ aus Frankfurt (Oder) nicht nur 520 Fässer mit chemischen Kampfstoffen geborgen, sondern auch 75 Tonnen Militärschrott – darunter funktionstüchtige Panzerfäuste und Granaten – unschädlich gemacht werden.

Spätestens in 15 Jahren soll sich der 160 Millionen Euro teure Solarpark amortisiert haben, in dieser Zeit soll er den Strombedarf von 15 000 Haushalten decken. Nach 20 Jahren wird „die Lebensdauer der Module abgelaufen“ sein, sagte der Geschäftsführer von „First Solar“, Stephan Hansen. „Wir recyceln dann die Materialien in unserem Werk.“ Das habe von dem Projekt bei Lieberose erheblich profitiert, seien die 600 Mitarbeiter doch damit zwei bis drei Monate beschäftigt gewesen. Die Anlage selbst läuft weitgehend automatisch und kommt mit zehn Angestellten aus.

Der Bürgermeister der benachbarten Gemeinde Turnow-Preilack, Helmut Fries, konnte sich noch gut an die Demonstrationen für einen großen Windpark auf dem Übungsplatz erinnern. „Die Menschen hatten ganz einfach Angst, nachdem sie von der Gefährlichkeit erfahren hatten“, sagte er. „Der Solarpark hat uns nun noch mehr geholfen, zumal wir jetzt wohl in ganz Deutschland bekannt werden.“

Das Projekt stieß gestern auch bei anderen Bürgermeistern mit großen Militärflächen auf starkes Interesse. „Das wäre eine tolle Lösung für das Bombodrom“, sagte Rheinsbergs Bürgermeister Manfred Richter. „Platz gäbe es für solche Solarparks genug, und mit den Einnahmen könnten wir das Gelände nach Munition absuchen.“ Allerdings müsste der Bund als Eigentümer zustimmen. Die Lieberoser Heide gehört dagegen Brandenburg, wo 80 000 Hektar Land als munitionsbelastet gelten. Claus-Dieter Steyer

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