Berlin : Soldiner Treff wird ausgetrocknet

Joachim Brunken, Jugendfreund von Harald Juhnke, bangt um sein Weddinger Kiez-Projekt. Er soll 7000 Euro zahlen – oder schließen

Sebastian Rothe

Joachim Brunken sitzt im „SoldinerTreff“ und hat Sorgen. Sein „Treff“, eine Anlaufstelle für Alkohol- und Suchtkranke, steht vor dem Aus. 7000 Euro Nebenkosten soll Brunken nachzahlen. Die hat er nicht.

Seit knapp sieben Jahren engagiert sich der 66-Jährige, selbst trockener Alkoholiker, im Soldiner Problemkiez ehrenamtlich für Sucht- und Alkoholkranke. Sein Lokal liegt in der Koloniestraße 120 in Wedding. Dort organisiert er Selbsthilfegruppen, stellt Platz zum vertrauten Gespräch oder für gemeinsame Fernsehabende zur Verfügung, bietet Obdachlosen Frühstück und Wohnungsvermittlung. Die Kinder aus der Nachbarschaft bekommen bei dem ehemaligen Bühnenmaler auch Malunterricht.

Für seine Arbeit hat ihn der Bezirk Mitte mit einer Urkunde geehrt. Bald könnte damit dennoch Schluss sein. Brunken hält ein Schreiben seines Vermieters in den Händen, der Wohnungsbaugesellschaft Degewo. 7000 Euro soll er nun an Nebenkosten nachzahlen. Dieses Geld kann Brunken, der nur eine kleine Rente bekommt und selbst von der Grundsicherung noch 100 Euro in seinen „Kiez-Treff“ steckt, nicht aufbringen.

Im Grunde hat alles mit Harald Juhnke zu tun. Juhnke und Brunken sind Tür an Tür im Soldiner Kiez aufgewachsen. Danach gingen die Lebenswege der beiden Berliner Urgesteine auseinander. Juhnke wurde als Entertainer und Schauspieler berühmt; Brunkens Versuch, als Geldfälscher eine kriminelle Karriere anzufangen, endete im Gefängnis und schließlich auf der Straße. Brunken war 35 Jahre obdachlos, verdiente sich als Kreidemaler auf dem Bürgersteig des Kurfürstendamms ein paar Mark. Dort steckte ihm Juhnke ab und an Geld zu. Sie kannten sich ja. Das hat ihm Brunken nie vergessen. Er bemühte sich um ein Denkmal für den vor zwei Jahren verstorbenen Schauspieler. Dafür braucht es 60 000 Euro. Das Geld sollte durch Spendenboxen gesammelt werden, die man über die Stadt verteilte. „Irgendjemand hat der Degewo gesagt, ich hätte eine dieser Boxen im Laden stehen. Jetzt denken die wohl, ich bereichere mich.“

Das sei aber falsch. Bei ihm, so folgerichtig es angesichts seines Engagements für das Denkmal erscheinen mag, kann man nicht spenden. Geld habe er keines.

Die Degewo zeigt sich auf Nachfrage kompromissbereit. „Wir sind im Zwiespalt“, sagt Pressesprecherin Erika Kröber. Natürlich schätze man Brunkens Arbeit außerordentlich. Doch die Nebenkosten müssten bezahlt werden. Brunken sei wiederholt um Zahlung gebeten worden; immer wieder habe man sich auf seine Ausflüchte eingelassen. „Wir setzen auf intensive Gespräche und suchen nach einer Kompromisslösung“, so Kröber.

Reinhard Fischer vom Quartiersmanagement Soldiner Straße will Brunken helfen. „Ich werde versuchen zu vermitteln“, so Fischer. Die Zukunft des „Soldiner-Kiez-Treff“ bleibt bis dahin ungewiss. Dass nun sogar ein Film über das wechselhafte Leben Joachim Brunkens gedreht werden soll, kann ihn selbst derzeit wenig fröhlich stimmen. Denn immerhin: „Dieser Laden hier ist mein Leben.“ Sebastian Rothe

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