• Solidarität: Führer: Nichts ist mehr, wie es war - Wowereit: Auch wir wurden getroffen

Berlin : Solidarität: Führer: Nichts ist mehr, wie es war - Wowereit: Auch wir wurden getroffen

Brigitte Grunert

So schmerzlich bewegt sah man das Abgeordnetenhaus noch nie, aber es gab ja auch nie einen so beklemmenden Anlass. Die Senatsmitglieder und die meisten Abgeordneten erschienen dunkel gekleidet. Alle erhoben sich von den Plätzen, als Parlamentspräsident Reinhard Führer die Trauer-Sitzung mit einer Schweigeminute im Gedenken an die Opfer der Terroranschläge in den USA eröffnete. Der Präsident und der Regierende Bürgermeister sprachen für alle. Auf eine Aussprache verzichteten die Fraktionen. Niemand sollte Gelegenheit haben, aus der Rolle zu fallen, der Wahlkampf ruht. Auch der amerikanische Gesandte David Wolfson nahm an der kurzen Trauersitzung teil. Er war zu Mauerzeiten amerikanischer Verbindungsoffizier beim Senat im Rathaus Schöneberg.

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Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Reinhard Führer und Klaus Wowereit sprachen das Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer und ihre Solidarität mit den Vereinigten Staaten aus. Sie erinnerten an die besondere Verbundenheit Berlins mit der früheren Schutzmacht Amerika und riefen die Berliner zur Teilnahme an der Kundgebung am Freitag um 17 Uhr vor dem Brandenburger Tor auf. Jetzt könnten die Amerikaner auf die Solidarität und Hilfe der Berliner vertrauen, betonten beide. Selbst der Beifall klang verhalten, anders als sonst.

"Dies war nicht nur ein Anschlag auf Amerika, sondern ein Attentat auf die Gemeinschaft der freien Völker", sagte Führer und fügte hinzu: "Leid, das unseren Freunden zugefügt wird, ist auch unser Leid." Er erinnerte an die Blockade und Luftbrücke, an die Stiftung der Freiheitsglocke, die Sicherung der Freiheit West-Berlins zu Mauerzeiten, die Rolle der Amerikaner für die Einheitswerdung und an das Wort des Präsidenten John F. Kennedy am 26. Juni 1963 vor dem Schöneberger Rathaus: "Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt West-Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können: Ich bin ein Berliner." Durch die Nachkriegsgeschichte sei die Verbundenheit der Berliner mit den Amerikanern eine Herzensangelegenheit. "Nach dem grauenhaften Anschlag auf die USA ist nichts mehr so, wie es war", sagte Führer. Er rief zum entschiedenen Vorgehen gegen Hass, Gewalt und Extremismus auf, "denn sie sind oft die Saat solcher Taten".

Wowereit ging in bewegend einfachen und klaren Worten auf die Trauer über das "entsetzliche Verbrechen" und "die menschliche Tragödie" ein: "Unsere Gedanken sind beim amerikanischen Volk." Er nannte die Anschläge eine "Kriegserklärung gegen die zivilisierte Welt", einen Angriff auf das freiheitliche Gesellschaftssystem, auf eine Werteordnung, der die Menschenrechte und die Würde des Menschen zugrunde liegen: "Auch wir wurden getroffen." Berlin stehe zur Vielfalt der Religionen und Weltanschauungen in dieser Stadt. Weltoffenheit und gegenseitige Achtung seien Grundbedingungen des friedlichen Zusammenlebens. Ganz gleich, welches Motiv hinter den Attentaten stehe: "Für einen solch barbarischen Akt der Zerstörung gibt es keine Rechtfertigung."

Wowereit ging auch auf die Ungewissheit über die Folgen ein: "Der beispiellose Angriff ins Herz der Vereinigten Staaten ist eine weltpolitische Zäsur." Man wisse nun, dass Globalisierung nicht nur ökonomisch zu sehen sei, sondern "dass wir in allen Belangen eine Welt geworden sind". Im Kampf gegen den internationalen Terrorismus müssten alle zusammenstehen. Er stellte sich hinter den Beschluss des Nato-Rates als "schnelle, unmittelbare und logische Konsequenz aus dieser Erkenntnis". Zugleich verwies er auf die bedrückende Sorge vor einer Eskalation und rief zu einer besonnenen Politik auf: "Es darf keine Spirale der Gewalt geben." Berlin fühle sich den USA enger verbunden denn je: "Freiheit und Demokratie sind stärker als Terror."

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