Solidaritätskonzert vor dem Reichstag : Rocker welcome

Das kostbare Grün vor dem Reichstag hält Udo Lindenberg und Co. schon aus. Es hat auch Gräber und kaputte Sprühdüsen verkraftet. Eine Glosse.

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Am 4. Oktober wollen deutsche Künstler auf der Wiese vor dem Reichstag ein Solidaritätskonzert für Flüchtlinge geben - das hält das Grün schon aus.
Am 4. Oktober wollen deutsche Künstler auf der Wiese vor dem Reichstag ein Solidaritätskonzert für Flüchtlinge geben - das hält...Foto: Paul Zinken/dpa

Es gibt kaum Halme, die kostbarer sind als die im Olympiastadion. Obwohl: Die Wiese vorm Reichstag! Die ist Dem Deutschen Volke so wichtig, dass noch nicht mal gekickt werden darf. Wobei die Computertechnik der teuren Bewässerungsanlage ohnehin oft defekt ist, viele Sprühdüsen im Gras sind versehentlich kaputt getreten. Kann also eigentlich keiner was dagegen haben, dass am 4. Oktober an historischer Stätte ein Solidaritätskonzert zugunsten von Flüchtlingen stattfindet. Gerade ruckelt sich in der Rockerszene was zusammen, nach dem Motto: „We are the world, we are the refugees.“ Udo Lindenberg will dabei sein, Herbert Grönemeyer, mehrere Konzertveranstalter haben Lust: Peter Maffay, Sido, Andreas Bourani, Xavier Naidoo, Ärzte, Hosen: Da stehen wohl die gesammelten deutschen Charts auf einer Bühne.

Beim Bezirk Mitte hat sich noch niemand gemeldet

Der Bundestag will am Tag nach der Einheitsfeier mit der Technik helfen, die Integrationssenatorin und Mittes Bürgermeister sagen: Daumen hoch. Und Bundestagspräsident Norbert Lammert selbst „hat seine Zustimmung zur Durchführung dieser Veranstaltung auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude erteilt“.

Doch hat da – außer mal abgesehen von Udo Lindenberg – nicht Mitte den Hut auf? Beim Bezirk hat sich aber bislang noch niemand gemeldet. Normalerweise wird auf der Wiese ja nichts mehr genehmigt. Wegen der Sicherheit, wegen des Grüns, und weil sie dann ja alle kommen könnten. Stadtrat Carsten Spallek wartet jedenfalls gespannt auf Antrag und Antragsteller, damit man sich über Logistik, Sicherheit und Organisation eines solchen Mega-Events verständigen könne. Wenn Lammert selbst etwas veranlasse, habe das natürlich Gewicht, heißt es im Bezirk. Na bitte. Und dass jüngst auf der Wiese mal symbolisch Gräber für die unbekannten im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge angelegt wurden, sollte auch niemanden stören. Der Totentanz ist ja für die gute Sache.

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