Berlin : Soll das Radfahren in allen Parks erlaubt werden?

Claudia Keller

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 23 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1.

Sind Sie dagegen, wählen Sie 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf).

Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter:

www.meinberlin.de/ted

Radfahren ohne Parks ist wie trockenes Brot ohne Belag: eine staubige Angelegenheit, die nützlich sein kann, mehr aber auch nicht. Mit dem Rad ist man manchmal schneller als mit dem Auto oder mit der U-Bahn; wenn man nichts Besseres hat und der Magen knurrt, beißt man auch in eine trockene Stulle. Aber mit Spaß hat das nichts zu tun. Der kommt erst auf, wenn man durchs Grüne radelt, vorbei an duftenden Sträuchern und zwitschernden Vögeln. Hier kann man durchatmen, ohne Monoxidvergiftung zu riskieren. Hier kann man sich entspannen, ohne unter die Räder genervter Autofahrer zu geraten.

Erst hier, in den Grünanlagen, wird aus dem Radeln mehr als pure Fortbewegung. Es wird zur Erholung. Und erst dafür lassen die Leute ihr Auto stehen. Berlin will „Fahrradstadt“ werden. Warum nicht als Erstes die Parks fürs Radfahren freigeben? Wäre vielleicht einfacher, als über komplizierte „Radverkehrsstrategien“ zu sinnen, wie sie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in einer Broschüre ankündigt. Dass die Radler abbremsen müssen, wenn sie in den Parkweg einbiegen, das ist selbstverständlich. Die Spaziergänger haben natürlich Vorrang. Die meisten Radler tun das ohnehin, schließlich will man die Zeit, die man hier verbringt, eher verlängern. Die stinkende, lärmende Straße naht schnell genug.

Laut Berliner Stadtentwicklungsbehörde sind Parks zum Erholen da. Wir haben Glück, in Berlin gibt es davon einige schöne Exemplare, die dazu einladen: In Seelenruhe spazieren gehen, auf einer Bank sitzen und vor sich hin träumen oder die Kinder abseits vom Straßenverkehr herumtollen lassen. Nur – wie soll das gehen, wenn ständig Radfahrer durch die Anlage rasen. Machen wir uns keine Illusionen: Radfahrer werden sich in Parks weder an Schrittgeschwindigkeit noch an eine ihnen zugewiesene Wegseite halten. Das tun sie auch jetzt schon nicht, wenn sie durch Fußgängerzonen fahren oder auf den engen Bürgersteigen in Mitte noch die dichteste Menschenmenge durchpflügen. Das nervt und es ist gefährlich. Übrigens auch für die Radfahrer. Diesen steht in Berlin ein umfangreiches Radwegenetz – teilweise auch in Grünanlagen – zur Verfügung. Dagegen haben Familien keine Alternative, wenn sie in der Stadt mit ihren Kinder in die Natur wollen. Dort müssen sie aber ständig auf den Wegen nach Radfahrern Ausschau halten, die ihre Kinder zusammenfahren könnten. Kiezstreifen sind derzeit in der Kritik, weil sie nicht genügend Ordnungsstrafen verhängen, dabei können sie gar nicht genügend Raser von den Rädern holen. Wo wir gerade dabei sind, gerne auch die Skater, die rasen, dass der Kies nur so spritzt. Parks sind eine willkommene radlose Zone und sollen es auch bleiben. Constance Frey

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