Berlin : Soll das Rauchen auch in Kneipen verboten werden?

Sigrid Kneist

PRO
Beim Thema Rauchen kann es nur eine Lösung geben: In öffentlichen Gebäuden und in Gaststätten jeder Art muss das Qualmen verboten werden – und zwar ohne irgendeine Ausnahme. Alles andere ist nicht praktikabel und führt zu nichts als Ärger. Eine Regelung nach der Art, in Kneipen und Bars das Rauchen zu erlauben, in Speiserestaurants aber nicht, wäre nur ein Wischi-Waschi-Kompromiss, mit dem niemandem geholfen ist. Außerdem wäre sie auch nicht eindeutig und würde deswegen nur zu Ärger führen. Denn was ist mit Kneipen, die auch Snacks oder Suppen anbieten? Hat ein Gast dort ein Anrecht darauf, seinen Rollmops oder seine Frikadelle in rauchfreier Umgebung zu verzehren? Spätestens wenn einer dieses Recht für sich reklamieren und es einklagen will, würde darüber erbittert gestritten. Und was ist mit den Kneipenangestellten? Zählt deren Gesundheitsschutz nicht? Nein, die Gesetze müssen klar und unmissverständlich sein; sonst wird’s zu kompliziert, und der Nichtraucherschutz bleibt auf der Strecke. Und die Erfahrungen in anderen europäischen Ländern zeigen doch, dass es auch mit rigorosen Regelungen geht.

Contra
Arm wird Berlin vermutlich noch eine halbe Ewigkeit lang sein. Da sollte es wenigstens auch „sexy“ bleiben, wie Klaus Wowereit so hübsch gesagt hat. Doch sitzt derselbe zugleich einer Koalition zweier Parteien vor, denen vor lauter Staatsfixiertheit vielleicht verborgen geblieben ist, warum diese Stadt so attraktiv ist: Weil sie liberal ist, tolerant, auch ein wenig anarchisch. Weil hier jeder auf seine Manier sein kann und sich um das Gerede der Nachbarn nicht weiter scheren muss. Sollen sie unseretwegen anderswo das Zusammenleben von Rauchern und Nichtrauchern ordnungs- oder gesundheitspolizeilich regeln, wenn sie denn den Menschen nicht zutrauen, eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen. Zur Berliner Mentalität passen derlei Vorschriften aber gleich gar nicht. Jeder Wirt mag sagen, wo, wann und ob überhaupt bei ihm geraucht werden darf; jeder Gast weiß selbst am besten, wie wichtig ihm Gesundheit und Geselligkeit sind. Niemand wird zu nichts gezwungen, und übrigens auch nicht dazu, hinter einem Tresen zu arbeiten. Ganz Europa wird von der Anti-Raucher-Lobby besetzt? Nein, eine kleine deutsche Hauptstadt macht’s, wie’s ihr gefällt. Holger Wild

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