Berlin : Soll das Schloss ohne Kuppel gebaut werden?

Lothar Heinke

Reden wir doch nicht immer vom Schloss. Das ist unwiederbringlich verloren. Man kann die Schloss- uhr nicht um Jahrhunderte zurückdrehen und die Mitte mit horrenden Summen auffüllen, weil uns Nostalgiker einreden, dass der Palast der Kaiser und Könige das Nonplusultra sei. Als ob es im 21. Jahrhundert keine moderne Architektur gäbe. Leider hat sich der Bundestag 2003 für historische Fassaden entschieden. Deren Bau ist teuer und langwierig. Doch nun hat man neu nachgedacht und gefragt, ob es nicht an der Zeit sei, endlich einmal etwas zurückhaltender, behutsamer und verantwortungsvoller mit unseren Steuergeldern umzugehen. Vielleicht führte auch der finanzielle Schrecken beim asbestpolitischen Abriss des Palastes der Republik dazu, dass nun alles eine Nummer kleiner geraten soll. Statt vom Schloss ist nur noch vom Humboldt-Forum die Rede, eine teure Hofüberdachung fällt weg – und die spektakuläre Kuppel. Wenn sogar die Schlossfreunde mit dieser kostensparenden Abkoppelung leben können – wozu brauchen wir noch die teure Haube? Zumal sich nebenan die Kuppel des Berliner Doms längst als Höhendominante am Schlossplatz eingebürgert und ihren Schatten auf den Palast, dieses Ex-ICC des Ostens, geworfen hat. Wer Neues will, muss kühn sein und das Mögliche wollen.

Wie kann man nur an Kuppel- Klau denken, um vergleichsweise wenige Euro zu sparen und sich dafür allerorts Gespött einzuhandeln? Der Hauptbahnhof wurde gestutzt und auch nicht billiger. Und nun könnte das Schloss beim Wiederaufbau tiefergelegt werden. Da sowieso die Finanzierung des Baus weitgehend in Frage steht, weil es keine Baupläne gibt und die innere Ausstattung ungeklärt ist, wirkt die Idee, aus Spargründen die Kuppel zu kappen, absurd. Und provokant für alle, die wenigstens das äußere Erscheinungsbild des alten Schlosses für die richtige Lösung an diesem Ort halten. Ein Wegfall der Tiefgarage und eines Hotels – damit lässt sich leben. Aber die Spitze ist das herausragende Merkmal des Schlosses. Sie würde Bezug nehmen auf die Kuppel des Berliner Doms, so wie auch die Türme des Gendarmenmarktes korrespondieren. Mag vieles an dem Bauprojekt fraglich sein, die Kuppel sollte außer Zweifel stehen. Der Förderverein kann sich ein Schloss ohne sie vorstellen, wenn nur der Bau beginnt. Das ist Taktieren und würdelos für leidenschaftliche Streiter. So als ob sich eine Kuppel irgendwann – wie beim Reichstag – einfach aufsetzen lässt. Das käme, so die Statik es erlaubt, wirklich teuer. Das Schloss ohne Kuppel ist ein besserer Marstall. Den muss es nicht zweimal geben. Christian van Lessen

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