Berlin : Soll der Senat per Gesetz die Brandschutz-Vorschrift verschärfen?

Annette Kögel

Es gibt Dinge, die wollen einem einfach nicht in den Kopf. Warum zum Beispiel müssen Ärzte 24-Stunden-Dienste schieben und haben keinen normalen Achtstundentag, wo ihre Handgriffe im OP doch über Leben und Tod entscheiden? Und warum ist der Senat nicht in der Lage, ein Gesetz zu einem winzigen Gegenstand zu beschließen, der doch Leben retten kann?

Auch in Berlin müssen Mieter und Hauseigentümer endlich gesetzlich dazu verpflichtet werden, Rauchmelder zu installieren. Andere Bundesländer, andere Staaten haben die Notwendigkeit längst erkannt, nicht allein auf Freiwilligkeit zu setzen. Schließlich zeigen Studien, dass die Zahl der Toten deutlich zurückgeht, wenn das Fiepen der günstigen Geräte die Menschen bei Rauch rechtzeitig warnt. Aber die Berliner setzen ausgerechnet hier auf den guten Willen – wo doch sonst alles bis ins Detail durchreguliert wird. Jeder Kleiderhaken ist millimetergenau genormt, und man muss sich nur einmal von einem Cafébesitzer schildern lassen, mit welchen Vorschriften und Behörden er kämpfen muss, bis er den ersten Stuhl auf den Gehweg stellen darf. Der Staat muss seine Bürger – und dazu gehören auch die bei Einsätzen stets gefährdeten Feuerwehrleute – schützen, so gut er kann. Deswegen muss es in der Schule Brandschutzerziehung geben. Und das Gesetz zur Pflicht von Rauchmeldern. Wer zweifelt, dem sei ein Besuch in der Ufnaustraße empfohlen. Dort sind die Rauchmelder jetzt überall installiert.

Vor Brandgefahr muss sich jeder schützen, das verlangt der gesunde Menschenverstand. Vielleicht brauchen wir mehr Information darüber, wie man sich im Brandfall verhalten soll. Aber das ist ein freiwilliger Prozess, und es ist vor allem in unser aller Interesse, darüber Bescheid zu wissen. Aber gerade aus diesem Grund braucht man dafür kein Gesetz.

Rauch tötet nach wenigen Atemzügen, das erklärt die Feuerwehr ein ums andere Mal. Dagegen können Rauchmelder schützen, die nur einige Euro kosten. Für Kinderwagen, die im Hausflur stehen, können doch Mieter und Vermieter auch freiwillig eine Lösung finden. Schwer vorstellbar, dass der Hauseigentümer etwas dagegen hat, sein Gebäude vor zündelnden Kriminellen zu schützen. Es ist sein Haus, das dann abbrennt. Oder wollen Sie, dass demnächst alle sechs Monate ein Brandschutzbeauftragter vor ihrer Tür steht, um Ihr Haus, Ihre Wohnung, ihren Kleiderschrank auf brandgefährdende Stoffe zu kontrollieren, kostenpflichtig, wohlgemerkt, und bewaffnet mit Paragrafen und Vorschriften?

Wir können auch mal auf die menschliche Selbstbestimmung vertrauen und einem jeden überlassen, morgen mal schnell zum Baumarkt zu fahren und sich einen Rauchmelder zu kaufen, den Vermieter anzurufen, damit der neue Schlösser am Haustor anbringt, oder zusammen mit dem Nachbarn einen Feuerlöscher anzuschaffen. Wir sind ja schließlich groß genug. Constance Frey

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