Berlin : Soll die Polizei wieder blaue Uniformen bekommen?

Jörn Hasselmann

Die Polizei braucht unbedingt neue Uniformen, nicht unbedingt blaue. Wenn aber schon die 30 Jahre alte, unmodern und unpraktisch gewordene Kleidung ausrangiert wird, dann muss selbstverständlich auch der Wechsel zu Blau vollzogen werden. Die vor 30 Jahren konzipierten Jacken und Hosen sind, was schweißtreibenden Stoff und fehlende Taschen angeht, ebenso veraltet wie 30 Jahre alte Polizeiautos. Die wurden schließlich längst ausgemustert. Da die Berliner Beamten ja nicht auf einen Schlag neu eingekleidet werden müssen, ist auch die Finanzierung kein Problem. Denn ob Beamter X eine neue Jacke in dem altbackenen Förster-Grün bekommt oder eine in schickem Blau, ist egal. Da auch Nachbar Brandenburg (wie fast alle Bundesländer) zu Blau wechseln will, liegt eine gemeinsame, günstige Beschaffung nahe.

Die Bevölkerung wird es kapieren, dass eine Zeit lang ihre Polizei in zwei unterschiedlichen Farbkombinationen auf der Straße zu sehen ist. Es mischt sich ohnehin, egal, wie Berlin sich entscheidet. Denn die Bundespolizei wird schon zur WM 2006 Blau tragen. Die Polizeiautos lassen sich sogar mit minimalem Kostenaufwand von Grün auf Blau ändern, da seit Jahren nur noch silberne Autos beschafft wurden – mit etwas grüner Abziehfolie drauf.

Die Stadt Berlin hat nur Schuldscheine im Säckel, aber die Polizei soll mit neuen, blauen Uniformen eingekleidet werden. Entworfen von Luigi Colani. Das wird teuer – und ist unnötig. Deutschland ist zwar reformbedürftig, aber die innere Sicherheit wird nicht dadurch erhöht, dass alle Polizisten in Bund und Ländern blau eingepackt werden. Ein Respekt forderndes, distanziertes Dunkelblau. Coole Cops sollen bald den schnittigen BMWs entsteigen, die allerdings grün bleiben müssen, weil für die Umlackierung das Geld doch nicht reicht. Ist das freundliche, wenn auch etwas försterliche Grün, in den siebziger Jahren eingeführt, etwa zu bürgernah? Soll uns auf dem Umweg über die Farbenlehre Angst vor der Polizei eingeflößt werden? Das ist doch lächerlich. Es mag ja sein, dass die Uniform etwas altbacken ist: Ohne Tasche fürs Handy, aber für solche praktischen Probleme des modernen Dienstalltags lassen sich bestimmt preiswertere Lösungen finden. Und die Hemden sind unbequem geschnitten. Solange der Polizei immer noch die technische Ausrüstung fehlt, um Verbrecher wirksam verfolgen zu können, ist das wohl ein Luxusproblem. Damit sei keinem (polizei)grünen Fundamentalismus das Wort geredet. Wenn die letzte Hose durchgeschubbert ist, könnte man noch mal über die Sache reden. Ulrich Zawatka-Gerlach

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