Berlin : Soll es spezielle Schulen für Gewalttäter geben?

Jörn Hasselmann

Es gibt das Sprichwort „Ein fauler Apfel verdirbt die ganze Kiste“. So ist es auch in vielen Berliner Klassen. Ein aggressiver, prügelnder und renitenter Schüler verdirbt die ganze Klasse. Damit bremst er nicht nur seine Klassenkameraden beim Lernen, er bindet auch völlig unnötig die Kraft und die Energie der Lehrer. Und Jungen, die auf der Kippe stehen, nehmen den Tyrannen möglicherweise noch als schlechtes Vorbild. 200 Problemschüler gibt es in Berlin, schätzt Schulsenator Böger. Das bedeutet: Mehrere hundert Lehrer leiden und mindestens 4000 Mitschüler. Nun endlich hat Böger vorgeschlagen, dass diese 200 Kinder und Jugendliche in separaten Schulen unterrichtet werden sollen. Vor sechs Wochen noch hatte Böger diese Spezialschulen abgelehnt. Damals hatte sie ein CDU-Schulstadtrat gefordert. Erst nachdem ein Zwölfjähriger, der schon mehrmals gewalttätig aufgefallen war, eine Lehrerin niedergeschlagen hatte, erkannte auch der Senator: Es reicht.

Seit Jahren wird bei kriminellen Kindern und Jugendlichen gefordert, ihnen schneller und deutlicher Grenzen aufzuzeigen. Genau das könnten diese Spezialschulen leisten – nicht mit Kuschelpädagogik, sondern mit Strenge und geregeltem Tagesablauf.

Ganz gleich, ob man sie Sonderschule nennt oder „boot camp“ wie in den Vereinigten Staaten – ein Satz müsste über dem Eingang der Schule für die schlimmen Schüler stehen: „Das ist Deine letzte Station vor dem Jugendknast.“ Denn darum geht es: Jugendliche mit kriminellen Neigungen sollen in einer Schule gesammelt werden, um den Betrieb der anderen Schulen nicht mehr zu stören und um sie vor der Fortsetzung krimineller Karrieren zu warnen. Dagegen spricht, dass hierzulande keiner glaubt, dass unerziehbar-unerzogene Jugendliche allein mit Disziplin und Haltung zu therapieren sind.

Die Spezialschule hätte nur Sinn, wenn die Schüler mit dem Polizeiauto gebracht werden (die Schulpflicht muss durchgesetzt werden), wenn es außer den klassischen Fächern Extrastunden Sport einschließlich Boxen gibt und die Eltern in die Therapie einbezogen werden. Die Kosten dafür müssten alle anderen Schüler mittragen. Deshalb ist es besser, man lässt die gewalttätigen Jugendlichen im Klassenverbund mit den anderen. Die kriminellen Schulversager haben nur eine Chance, wenn sie begreifen, dass sie andere respektieren müssen. Das lernen sie am ehesten mit und von anderen, die besser sind als sie. Stephan Wiehler

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