Berlin : Soll Rauchen in Gaststätten verboten werden?

Werner Schmidt

Rauchen gefährdet nicht nur die Gesundheit der Nichtraucher, sondern verdirbt ihnen auch noch die Laune. Anstatt abends noch mal eben in die verrauchte Kneipe um die Ecke zu gehen oder einen spontanen Ausflug in den Jazzkeller zu unternehmen, geht man eher zum Italiener, denn dort werden Pizza, Pasta und Landwein oft schon jetzt in rauchfreier Umgebung serviert.

Ein Rauchverbot in Restaurants, Kneipen und Bars wäre für viele Nichtraucher ein Gewinn an Freiheit und Lebenslust. Dabei muss es nicht einmal ein generelles Verbot sein. Denkbar wäre eine „Happy Hour“ ohne blauen Dunst. Wünschenswert wären auch Nichtraucherzonen, wie es sie zum Beispiel in DDR-Gaststätten gegeben hat. Viele Kneipiers in den östlichen Bundesländern haben diese kundenfreundliche Einrichtung übernommen. Es ist nicht bekannt, dass sie deswegen weniger Gäste haben, wie dies der Hotel- und Gaststättenverband als Folge eines gesetzlichen Rauchverbots fürchtet. Man könnte eher vermuten, dass sie durch das Rauchverbot neue Kunden gewonnen haben: diejenigen, die bisher auf Lokalbesuche verzichteten, weil sie weder mit brennenden Augen noch stinkenden Klamotten als kostenfreie Zugabe nach Hause kommen wollen. Ein gesetzliches Rauchverbot wäre nicht als Diskriminierung der Raucher gedacht. Wohl aber würde es die Benachteiligung der Nichtraucher aufheben, die sich schon lange genug den blauen Dunst ins Gesicht blasen lassen mussten.

Dürften wir leise daran erinnern, dass es jedem Wirt freisteht, sein Restaurant zur rauch-freien Zone zu erklären? Dass niemand gezwungen wird, sein Bier in der Kneipe zu trinken, wenn es ihm dort zu verqualmt ist? Gleichwohl gibt es nur wenige Nichtraucher-Lokale (nur nebenbei: die sind dann oft auch Alkohol- und ziemlich Spaß-frei). Daraus kann man in einer Marktwirtschaft aber nur eines schließen: Es gibt offenkundig nicht genug Nachfrage. Auch nicht bei Nichtrauchern, denen gestrenge Gesundheitspolitiker nun zwangsweise zum Glück verhelfen wollen, und von denen man übrigens annehmen darf, dass sie erwachsen und marktwirtschaftlich erfahren genug sind, um ihre Wahl bewusst zu treffen. Das Gleiche gilt für die von jährlichen Umsatzrückgängen gepeinigten Gastronomen, die ihre Gründe haben werden, nicht in die vermeintliche Marktlücke zu stoßen. Warum aber sollte autoritär eingeführt werden, wofür es in der Gesellschaft keinen besonderen Bedarf gibt? Das einzig angeführte Argument „Gesundheitsschutz für Nichtraucher“ genügt deshalb nicht, weil Lokalbesuche eben so freiwillig sind wie etwa Skifahren. Niemand käme auf die Idee, einem Wirt vorzuschreiben, welche Musik er zu spielen hat oder wie effektiv die Dunstabzugshaube in seiner Küche funktionieren muss. Er ist der Wirt, die anderen sind seine Gäste – denen er es so angenehm wie möglich machen soll, darf und dürfen muss. Die Politik geht das nichts an, ebenso wenig wie jede andere Privatsache. Holger Wild

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