Berlin : Sollen die Hallenbäder geöffnet werden?

Claudia Keller

So ein Badebetrieb ist eine fein zerklüftete Zweiklassengesellschaft. Da gibt es die Badenden, die die Sonne, der Duft von Sonnenöl und Pommes ins Sommerbad zieht. Daneben gibt es die Schwimmer, die auch ohne all das auskommen können und glücklich sind, wenn sie im Wasser ihre Bahnen ziehen. Mit diesem Sommer und so wie die Situation nun seit Wochen ist – alle Sommerbäder und nur wenige Hallenbäder sind offen – kommen aber weder die Badenden noch die Schwimmer auf ihre Kosten. Bei 15 Grad liegt es sich auf der Liegewiese nicht gut, und auch unter den Schwimmern gibt es zart Besaitete, denen die Gänsehaut den Spaß verdirbt. Wäre es da nicht vernünftig, wenigstens die Schwimmer bei Laune zu halten, indem man die Hallenbäder wieder öffnet – wenn man schon für die Badenden nicht am Wetter drehen kann? Für die Hallenbäder spricht auch, dass man sie abends länger offen halten kann als die Sommerbäder. Die machen spätestens um 20 Uhr dicht, weil noch im Hellen aufgeräumt werden muss. Um nicht doppelte Kosten zu verursachen, könnte man, bis es der Sommer auch nach Berlin schafft, einen Großteil der Sommerbäder schließen, also das Verhältnis von geöffneten Hallenbädern zu Sommerbädern umdrehen. Ein kleines Dankeschön an die Schwimmer wäre auch deshalb nicht verkehrt, weil sie es sind, die den Bäderbetrieben das ganze Jahr über treu sind und durch den Kauf der Jahreskarten und Zehnerkarten den Betrieb stabilisieren helfen.

Mit diesem Vorhaben würden die Bäderbetriebe garantiert baden gehen. Bei schlechtem Wetter die Frei- und Sommerbäder zumachen und alle Hallen öffnen? Das kann nicht funktionieren. Problem Nummer eins: Die Information des Personals. Künftig müssten die Bäderbetriebe ihren Mitarbeitern ständig hinterhertelefonieren oder täglich eine Mail zuschicken: Heute arbeitet ihr hier, morgen dort. Das funktioniert doch niemals. Noch schwerer als pragmatische Gründe wiegen aber finanzielle Argumente. Die Unterhaltung von Hallenbädern kostet den Steuerzahler ungleich mehr als die von Freibädern. Wenn bei schlechtem Wetter alle Hallen in der Stadt geöffnet sind, machen die Betriebe zwangsläufig noch größere Verluste. Denn es gehen ja dadurch nicht automatisch mehr Leute schwimmen: In den acht bereits offenen Hallenbädern ist es derzeit auch im strömenden Regen nicht gerade brechend voll. Nein, im Sommer wollen die Berliner nicht mit Badekappe im gechlorten Wasser ihre Bahnen abreißen, sondern unter freiem Himmel die Badelaken am Strand ausbreiten. Und überhaupt: Wie bitte definiert man schlechtes Wetter? Blauer Himmel, aber nur 17 Grad? 20 Grad, aber schwül und wolkig? Nein, man sollte mal schön alles so lassen wie es ist. Denn noch größer als der Frust über den Sommer 2004 wäre die Enttäuschung an Tagen, an denen es plötzlich aufklart – und man als Ausflügler am Strandbad Wannsee draußen bleiben muss. Annette Kögel

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