Berlin : Sollen Ein-Euro-Jobber für den Frühjahrsputz herangezogen werden?

Jörn Hasselmann

Berlin ist dreckig. Und Berlin hat viele Arbeitslose. An beides haben sich die Menschen offensichtlich gewöhnt. Dabei ist es doch nahe liegend, beides zu verbinden. Dass die Arbeitslosen nämlich in der Stadt aufräumen und sie sauber machen. Dazu können sie, das ist jetzt möglich, einen Euro bekommen pro Stunde.

Die Gegner argumentieren sehr bürokratisch und grundsätzlich. „Das geht nicht“, heißt es, das nehme den echten Saubermännern die Arbeit weg. Aber ganz so stimmt es ja nicht. Die Berliner Stadtreinigung macht nur Straßen sauber, die großen ganz ordentlich, die kleinen schon weniger. Viele Grünanlagen der Bezirke starren mittlerweile vor Schmutz, von Bahndämmen und vielen Brachgrundstücken gar nicht zu reden. Denn dorthin kommt die BSR gar nicht, das ist auch nicht ihr Auftrag. Der Müll bleibt liegen. Erst sind es ein paar Büchsen, dann kommen ein paar Pappkartons hinzu, schließlich das ausgediente Sofa. Garniert werden solche Ecken gerne von Graffitisprayern.

Wieso versucht man nicht einfach mal, diese Entwicklung umzukehren? Und schickt ein paar tausend Arbeitslose los, um Berlin aufzuräumen? Um Graffiti zu übertünchen? Viele Arbeitslose werden froh sein, etwas Gescheites zu tun zu haben. Unter den hunderttausenden Joblosen dürften ein paar tausend motivierte Stadt-Reiniger auf freiwilliger Basis leicht zu finden sein. Und Berlin wird sauberer.

Ja, viele Parks und Straßen in Berlin sehen aus wie ein Schweinestall. Und warum? Weil sich viele Bürger be nehmen wie die Schweine. Sie lassen fallen, was sie nicht mehr brauchen, sie lassen liegen, was runtergefallen ist, sie rotzen auf die Straßen und davon, dass hier jemals einer seinem Hund den Haufen hinterherräumt, kann man auch nur träumen. Und warum ist das so? Weil solches Fehlverhalten keinerlei Konsequenzen hat – und weil außerdem ja auch immer jemand kommt, der den Müll wegräumt. Diese verdrehte Logik muss aufhören.

Statt jetzt in Zwölferreihen schlecht bezahltes Putz-Personal loszuschicken, soll man die Kiezstreifen und Polizisten aufstocken, die den Verschmutzern zeigen, dass es so nicht weitergeht. Es kann doch zum einen nicht sein, dass ich, nur weil ich ein arbeitsloser Architekt oder Polier bin, die Haufen von den Hunde anderer Leute entsorgen muss. Und es kann zum anderen nicht sein, dass die Bürger, die noch über ein soziales Gewissen verfügen, in Müll und Mief versinken müssen, nur weil sich niemand traut oder bemüßigt fühlt, die ja bestehenden Anti-Verschmutzer-Regelungen durchzusetzen.

Es ist bedauerlich genug, dass sich in dieser Stadt offenbar niemand so zu Hause fühlt, dass er Verantwortung für das Straßenbild mit übernehmen will. Das schadet der Stadt und allen Bewohner. Hier muss der Hebel angesetzt werden. Und das ist nicht die Aufgabe von Ein-Euro-Jobbern. Das geht die Politik an – und jeden von uns. Ariane Bemmer

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