Berlin : Sollen Schuluniformen eingeführt werden?

Werner van Bebber

Es geht nicht darum, Kinder und Jugendliche wie Landser zu kleiden. Es muss auch nicht die britische Variante der Schuluniform sein, mit Krawatte, Jackett oder Faltenrock. Schuluniformen können aus einem T-Shirt und einer Jeans bestehen, der Aufwand muss nicht groß sein, im Gegenteil. Schuluniformen sollen die Aufmerksamkeit von Kindern und mehr noch von Jugendlichen weglenken von rasend schnell wechselnden Moden, die nur eins gemeinsam haben: Dass sie Konkurrenzgefühle schüren, die nur mit dem Geld der Eltern etwas zu tun haben, aber nichts mit den Persönlichkeiten der Schüler. Deshalb ist das Argument der Uniformgegner absurd, Kinder und Jugendliche würden in ihrer Persönlichkeitsentfaltung beschränkt, wenn sie nicht mit den gerade angesagten Kultklamotten herumlaufen – oder als wandelnde Protestbewegung dagegen den Punk propagieren. Hört man aus England etwa irgendetwas von Generationen persönlichkeitsgestörter Schuluniformträger? Wichtiger noch ist der antikriminelle Faktor der Schuluniformen: Wenn alle die gleiche Jacke tragen, muss niemand sie einem anderen wegnehmen. Schuluniformen lösen die sozialen Probleme an den Schulen nicht. Aber sie machen sie kleiner, genau wie ein Handy-Verbot oder eine verbindliche Schulordnung.

Auf diese Idee konnten nur Sozialromantiker kommen: Wir stecken unsere Kinder in Uniformen und alle Unterschiede zwischen oben und unten, hell oder dunkel, friedlich oder gewalttätig sind wie weggebügelt. Böse könnte man auch meinen: Es ist eine Idee der Oberflächen, weil am Ende nicht das Individuum entscheidend ist, sondern die Optik. Wenn alles von der Wahl der richtigen Kleidung abhängt – warum machen wir’s denn nicht gleich wie die Chinesen unter Mao und laufen in gleichen Kitteln rum? Weil das Leben doch ein wenig komplizierter ist, als es die Befürworter des Einheitslooks für möglich halten. Kein Haudrauf wird sich davon abhalten lassen, seinen Klassenkameraden zu verprügeln, nur weil er das gleiche Sweatshirt trägt. Und keine religiös geprägte Muslimin wird ihr Kopftuch ablegen, nur weil es das Gebot zur Einheitlichkeit verlangt. Zugegeben: Schüler stehen unter dem Zwang, die „richtigen“ Klamotten zu besitzen. Doch wie entsteht dieser Druck? Weil die wahren Probleme nicht Nike, Adidas oder Reebok heißen, sondern Werteverfall, Verwahrlosung und Intoleranz. Wem nicht von den eigenen Eltern oder den Lehrern beigebracht wurde, einen Andersdenkenden, Andersaussehenden oder Andersliebenden zu respektieren, dem ist auch mit einer Uniform nicht zu helfen. Björn Seeling

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