Berlin : Sollen Schwarzfahrer härter bestraft werden?

Lars von Törne

Viele Millionen Euro gehen den Verkehrsbetrieben BVG und S-Bahn jedes Jahr verloren, weil notorische Schwarzfahrer meinen, sie brauchten kein Ticket. Die Zeche für diese Arroganz zahlen die Bürger, die Tag für Tag brav zahlen, um mit Bus und Bahn fahren zu können. Denn das Prinzip der Verkehrsbetriebe ist einfach: Die Verluste, die die einen verursachen, müssen die anderen ausgleichen, indem sie höhere Fahrpreise bezahlen. So wird bestraft, wer ehrlich ist. Und die Schwarzfahrer kommen mit eher symbolischen Strafen von 40 Euro davon, die ein Großteil der Ertappten noch nicht einmal bezahlt. Das zeigt: Viele Menschen halten Schwarzfahren für ein Kavaliersdelikt – das ist es aber mitnichten. Wer mit Vorsatz ohne Ticket fährt, versucht, sich auf Kosten seiner Mitbürger durchzuschummeln. Jährlich entsteht so ein Schaden von rund 20 Millionen Euro. Die Strafgelder hingegen summieren sich nach Abzug aller Verwaltungskosten gerade mal auf fünf Millionen Euro. Das ist zu wenig: Im Sinne der Gerechtigkeit müssten erwischte Schwarzfahrer in der Höhe zur Kasse gebeten werden, die den von ihnen verursachten Schaden ausgleicht, damit die ehrlichen Fahrgäste nicht mehr draufzahlen müssen. Da wäre ein auf 60 Euro angehobenes „erhöhtes Beförderungsentgelt“ zumindest der erste Schritt.

Schrecken härtere Strafen potenzielle Übeltäter ab? Diese Frage ist uralt – und sie wird durch wissenschaftliche Untersuchungen immer wieder gleich beantwortet: Nein. So wie Schnellverfahren und Jugendknast die Ursachen von Gewalt unter Heranwachsenden nicht beseitigen konnten, erwarten Experten auch durch höhere Bußgelder für Schwarzfahrer nur einen sehr schwachen Effekt. Die Berliner haben jetzt schon eine niedrige Schwarzfahrerquote. Weil die Zahl der Kontrollen seit 2002 stark erhöht worden ist, hat sich der Anteil von Fahrgästen ohne Ticket inzwischen halbiert. Weniger als drei Prozent der Insassen haben keinen gültigen Fahrschein – und ein Teil von ihnen hat ihn einfach nur vergessen abzustempeln. Wer den Verfolgungsdruck auf diese winzige Minderheit dennoch erhöhen will, möchte offenbar durch populistische Manöver rege Kundenorientierung vortäuschen. Den wenigen übrig gebliebenen Schwarzfahrern ins Portemonnaie zu greifen, lohnt sich finanziell ohnehin nicht. Die Hälfte der erwischten blinden Passagiere kann die 40 Euro schlicht nicht bezahlen – von 60 oder 120 Euro ganz zu schweigen. Statistisch steht fest, wer schwarzfährt, gehört zu den weniger gut gestellten Bewohnern dieser Stadt. Auch mit höherer Strafe würden sie kein Geld in die Kassen der Verkehrsbetriebe spülen. Hannes Heine

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